Das beste Licht der Welt: Immer wieder Island

Meine Mutter hatte immer den Traum, einmal Island zu sehen. Und da gemeinsame Urlaube seit ihrem 60. Geburtstag eine gewisse Tradition haben, fing ich an zu planen. Ihre Wunschliste war lang: Geysire, Wasserfälle, Polarlicht, Gletscher, Wale… Da wir aber nur 4 volle Tage zur Verfügung hatten, musste ich ein wenig bremsen. Es kann ja durchaus sein, dass man 4 Tage Regen hat im November in Island.
Tja… kann: So gutes Wetter hatte ich aber noch nie in Island, nichtmal im Sommer. Richtig nass sind wir nie geworden. Zwar war es tüchtig windig und zeitweise auch bedeckt, aber das tat der Unternehmung keinen Abbruch.

Ankunft

01_sm Der Flug nach Island war leider mehr als anstrengend. Ein quengelndes Kleinkind vor uns ließ keine Ruhe und schüttete zu guter Letzt sein Wasser aus. Also hatte ich den Rest des Fluges nasse Füße, Socken und Schuhe. Natürlich war ich sowieso vorher schon müde und gesundheitlich leicht angeschlagen. Aber alles egal, wir sind in einem Stück am späten Nachmittag angekommen.

Bevor wir im Hotel eincheckten, machten wir einen kleinen Umweg über den Süden. Wir schauten die bekannte Brücke an, die die amerikanische und die europäische Kontinentalplatte verbindet und besuchten danach noch das Geothermalgebiet Gunnuhver. Leider war es dort sehr windig und wegen des Dampfs nichts zu sehen.

In Island gehe ich bei allen Touren mittlerweile immer nach der offiziellen Wetterkarte des isländischen Wetterdienstes. Dort bekommt man stundengenaue Vorhersagen der Wolkenbedeckung und man kann genau planen. Bereits am ersten Abend waren starke Polarlichter vorhergesagt und die Wolkenbedeckung sollte um den See Thingvallavatn sehr lückig sein. Also ging es nach dem extrem anstrengenden Flug spät Abends noch nach Osten. Leider war die Aktivität doch schwächer als gedacht, der Sonnenwind war wohl langsamer, als von den Wissenschaftlern angenommen. Immerhin bekamen wir Polarlichter zu sehen, wenn auch gefühlt jeder Parkplatz dort mit Polarlicht-Guckern belegt war. Einmal wurden wir von einem sehr aggressiven Chinesen angegangen, weil wir mit unserem Licht seine Fotogruppe geblendet haben. Naja… so ist das eben, wenn man an der Straße steht und dort fotografiert.

Sehr gestresst ging es zurück ins Hotel.

Golden Circle

02_sm Am nächsten Tag ging es zu den Hauptattraktionen im Südwesten der Insel, die zudem sehr einfach zu erreichen sind, nämlich den Golden Circle. Zuerst besuchten wir Strokkur und Geysir. Anders als 2005 ist es selbst im Winter mittlerweile beinahe unmöglich Fotos ohne Menschen zu machen. Ist aber auch nicht so schlimm, bei solchen Ecken erwartet man das auch.
Danach ging es zum Gullfoss. Dort war leider der Weg an den Wasserfall gesperrt. Wir hatten uns gut mit Spikes gegen das Glatteis vorbereitet, aber kamen eben dann trotzdem auch nicht weiter als alle anderen. Ich meine mich zu erinnern, dass dort 2005 nichtmal ein Geländer war. Damals stand an Thermalquellen auch nur lapidar: „Use common sense“. Heute scheint das unmöglich. Insgesamt hatte sich das Gebiet um den Gullfoss sehr geändert. Neue Treppen, Bohlenwege und ein Besucherzentrum waren erbaut worden.

Zum Abschluss der Tour fuhren wir zum traumhaften Thingvallavatn, wo sich der Thingplatz, das erste isländische Parlament, befindet. Ein historischer Ort in zauberhafter Kulisse.

Polarlichter

10_sm Nachts fuhr ich dann mit meiner Mutter noch einmal los, um Polarlichter zu sehen.
Spaceweather.com sprach davon, dass sich der Sonnenwind verspätet habe und einen Tag später käme, aber dass das eben auch auf schwächere Aktivität schließen ließe. So hatte ich zwar nicht irre viel Hoffnung, aber das hat mich ja noch nie abgehalten. Nach einiger Zeit sah ich dann aus dem linken Fenster im Norden die ersten Lichter und sagte das meiner Mutter. Sie sagte nur, nach rechts guckend: „Ja, bei mir auch.“. Polarlichter im Süden… mir war klar, dass das vielversprechend war und so steuerten wir einen Parkplatz bei Hveragerði an. Leider nicht gerade dunkel, da in der Nähe Tomatenplantagen übelst den Nachthimmel bestrahlen. Trotzdem: am ganzen Himmel waren die Lichter – auf Fotos erstrahlt der ganze Himmel grün. Solch eine starke Aktivität habe ich bisher nie mitbekommen. Auch spaceweather schrieb dann am nächsten Tag von einem geomagnetischen Sturm (G2) – also ziemlich Glück gehabt.

Südküste

05_sm Am zweiten Tag war im Süden Sonnenschein  vorhergesagt. Wir starteten sehr früh in Reykjavik bei Schneetreiben, aber schon in Selfoss war der Himmel wolkenlos. Eigentlich hatte ich geplant zu Sonnenaufgang am Seljalandsfoss zu sein, aber wir waren erst ca. eine Stunde später dort. Mit den Spikes konnte ich leicht den vereisten Wasserfall umrunden. Wir verbrachten doch recht viel Zeit dort und so hielten wir am nächsten Halt, dem Skogafoss, nur kurz. Allerdings war es dort sehr voll und der Wasserfall ist auch nicht so spektakulär wie der Seljalandsfoss.
Wir fuhren weiter zur Gletscherlagune und wie vor 3 Jahren bekamen wir auch diesmal das letzte Rundfahrtboot des Tages. Das Wetter war sehr angenehm und die Bedingungen eigentlich prima. Erschreckend allerdings, dass der Gletscher seit unserem letzten Besuch etwa einen Kilometer zurückgegangen ist. Highlight der Tour war ein Seehund, der auf einer Eisscholle ruhte.

Silver Circle

01_sm Die letzten zwei Tage gingen wir ruhiger an. Am dritten Tag war der Silver Circle dran. Wir fuhren zu den Wasserfällen Hraunfossar, das sind Wasserfälle, die direkt aus einem Steilufer dringen. Sehr schön und wildromantisch. Im Anschluss ging es zur Quelle Deildartunguhver, wo allerdings das Wetter doch sehr bedeckt war. Wir gingen dann im nebenan gelegenen, neuen Thermalbad Krauma baden. Was für eine Wohltat bei 40°C die Knochen zu wärmen. Im Anschluss aßen wir dort noch. Einer der besten Burger, die ich je gegessen habe. Wirklich ganz großes Tennis. Danach war ich wirklich das erste Mal seit Wochen entspannt.

Reykjanes

09_sm Am letzten Tag war wieder Entspannung angesagt und wir fuhren über die Halbinsel Reykjanes. Wir spazierten über einen schwarzen Lavastrand, besuchten einen Lavatunnel und danach noch die Geothermalgebiete Seltun und Gunnuhver. Dieses Mal konnte man dank der Windstille das ganze Gebiet sehen.

Wieder hat mich Island bezaubert. Zwar waren dieses Mal keine neuen Ziele dabei, aber wir wollten meiner Mutter eben auch die Highlights des Südens zeigen. Was mir immer wieder auffällt: das Licht in Island ist magisch, aber ich kenne keinen Ort, wo es mir so schwer fällt, das zu zeigen. Allein es wahrzunehmen, die Natur zu spüren, das gibt mir schon wirklich viel. Ich liebe dieses ursprüngliche, schroffe, kalte, gewaltige Land.

Unser Guide im Lavatunnel behauptete, dass es in Island nur vier Farben gebe: rot, braun, grau und depressiv. Ich weiß, was er mit seiner humorigen Aussage meinte, aber irgendwie haut es mich trotzdem jedesmal um.

Hornissen

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Letztes Wochenende fand ich in der Nähe ein Hornissennest in einem Baumstamm. Da Verena auch ein großer Insektenfan ist, fuhren wir diesen Sonntag erneut hin. Faszinierend, die Tiere zu beobachten. Hornissen sind viel friedlicher als kleinere Wespenarten, lassen sie sich auch aus der Nähe gut beobachten, ohne dass sie aggressiv reagieren. So konnten wir das Verhalten der abfliegenden und ankommenden Individuen beobachten und wie sie am Nest begrüßt wurden. Durch die Kamera konnte man sogar die Anatomie der Tiere gut betrachten. Auf den Fotos erkennt man deutlich, dass sie 5 Augen haben. Nämlich zwei Hauptaugen und drei Ocellen, die der Lageorienterung dienen. Bisher war mir das nicht bewusst. Ich habe mich nie mit Insektenanatomie beschäftigt.

Leider hatte ich aber kein Makroobjektiv dabei – damit wäre noch einiges mehr möglich gewesen. Andererseits zwingt das Tele zu einem gewissen Respektsabstand. Vielleicht ist das auch besser so.

Hornissen sind echt tolle, faszinierende Lebewesen.

Inversion

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Irgendwie war der September bei mir komisch. Ich war irre beschäftigt und hatte viel zu tun, aber eigentlich schon genug Zeit zum Fotografieren und trotzdem hatte ich keine Ideen. Teilweise raubte mir die Trockenheit ein wenig den Nerv, teilweise habe ich einfach nichts zustande bekommen. 

Immerhin konnte ich am 30.9. doch noch einmal frühmorgens raus und es bot sich mir eine beeindruckende Inversionswetterlage im Rheintal bei Wiesbaden. 

Geschafft!

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Im dritten Anlauf hat es mit der Tour durch das steinerne Meer endlich geklappt.
Bereits Donnerstag vormittags fuhren wir in unser Basislager in Inzell. Natürlich ist das  etwas weit von Berchtesgaden entfernt, aber dafür gab es eben noch Unterkünfte.

Freitag früh ging es dann, wie die letzten zwei Jahre schon, mit dem Schiff nach St. Bartholomä. Von dort stiegen wir diesmal die Saugasse hinauf. Anders als die letzten Jahre war das Wetter stabil. Der Weg war schweißtreibend aber dennoch einigermaßen einfach. Mit vielen Pausen kamen wir alle gut am Kärlingerhaus am Funtensee an. Der Funtensee liegt wunderbar eingebettet zwischen den Bergen in einer Mulde. Den Abend verbrachten wir entspannt an Hütte und See und fielen recht früh in die Betten.

Am nächsten Tag stand die einfachste Etappe der Tour, zum Ingolstädter Haus auf dem Programm. Im Nebel brachen wir auf und je weiter wir die Talmulde hinaufkletterten, desto magischer wurde das Licht, bis wir schließlich auf einen regelrechten Nebelsee blickten.
Oberhalb der Baumgrenze wurde die Landschaft dann immer felsiger und man bekam eine Ahnung, wieso die Gegend steinernes Meer genannt wird. Immer wieder sahen wir am Weg Murmeltiere, die sich sonnten. Sehr früh, noch bevor wir einchecken konnten, kamen wir am Ingolstädter Haus an. Deshalb beschlossen wir noch den kleinen Hundstod zu besteigen. Wir bekamen einen Vorgeschmack auf den nächsten Tag, denn der Aufstieg war dann nicht mehr so leicht zu laufen und die Stöcke waren sehr hinderlich. Großartig übrigens, dass wir uns am Ingolstädter Haus kleine Rucksäcke leihen konnten und nicht das ganze Gepäck mitnehmen mussten.Die Aussicht vom kleinen Hundstod hinab ins Saalachtal und über Saalfelden auf der einen und ins steinerne Meer auf der anderen Seite war wirklich wunderbar.
Über die schlaflose Nacht in der eigentlich sehr schönen Hütte breite ich einen Mantel des Schweigens.

Die dritte Etappe führte uns zunächst zum Riemannhaus. Quer durch das steinerne Meer führt der unwegsame Pfad. Wirklich schwierig ist er nicht, aber irgendwie anstrengend nach einer durchwachten Nacht. Gegen Mittag kamen wir am Riemannhaus an. Es ist vielleicht die am spektakulärsten gelegene Hütte, die wir besuchten. Aber wir kehrten nur kurz ein und wanderten weiter zurück zum Kärlingerhaus. Diese Etappe empfand ich am unspektakulärsten. Die Wege waren zwar besser als zwischen Ingolstädter Haus und Riemannhaus, aber das stete Absteigen raubt doch ein wenig den Nerv und geht in die Knie.

Die letzte Nacht verbrachten wir wieder im Kärlingerhaus. Morgens hatten wir zum Start der letzten Etappe dann wieder diese wunderbare Nebelstimmung. Anders als geplant, wanderten wir nicht über die Wasseralm zurück, sondern wieder direkt über die Saugasse. Runter ist der Weg noch deutlich fieser als hoch und ich habe jetzt noch einen tüchtigen Muskelkater vom Absteigen. Immerhin kamen wir alle gesund und munter unten an.

Zur Belohnung gönnten wir uns abends dann leckeres Essen im Restaurant Platz in Inzell. Absolute Empfehlung, aber das Fett ist wieder drauf! 😀

Tja… was soll ich sagen. Endlich haben wir es geschafft! Danke nochmal an Alex, Silvana und Stephan für das schöne, lange Wochenende.