Ostseeumrundung im Zeitraffer – über Schweden an den Polarkreis

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Nach einer kurzen Nacht im Grenzgebiet ging es weiter in Richtung Östersund, Schweden.

Ich war die ganze Zeit schon etwas aufgeregt, weil ich von Manfred und aus alten AHO-Berichtsheften Tips zum Finden der seltenen Calypso bulbosa hatte. Die Stimmung hob sich weiter, als wir im Radio über dem Sender Bandit Rock stolperten. Endlich gute Musik im Radio!

Nachdem ich in Norwegen die Speicherkarte schon voll hatte kaufte ich in Östersund eine neue Speicherkarte und wir fuhren weiter zum geschilderten Fundort. Dank Manfreds Beschreibung ließ sich der Ort auch finden. Hier hätten wir alleine mit dem Berichtsheft keine Chance gehabt. Eine Schotterstraße führte uns dann zum Ziel. Von einem kleinen Parkplatz führten schmale Pfade in den alten Wald. Überall war Totholz und Moos auf dem nassen Boden. Bei solchen Biotopen wird mir wehmütig, wenn ich an die deutschen Forstwüsten denke. Kurz bevor sich der Pfad dann im Unterholz verlor entdeckte ich endlich einen rosa Farbklecks am Boden. Calypso! Die Pflanzen sind wirklich winzig, aber dennoch recht leicht zu finden. Obwohl wir reichlich früh im Jahr (22. Mai) da waren, blühten sie. Insgesamt fanden wir sicher 10 blühende und noch mehr knospende und aufblühende Pflanzen. Vermutlich wäre ein paar Tage vorher hier nicht viel zu finden gewesen. Ohne Blüten sind die Pflanzen sehr schwer zu finden. nachdem wir die ersten Blüten fotografiert hatten wollten wir aber nicht weiter in das Biotop eindringen, um nicht noch etwas zu zerstören.

Zufrieden ging es in Richtung Ostsee, wo das südlichste und bekannteste Biotop der Pflanze ist. Dieses Biotop war viel einfacher zu finden. Es gab Hinweisschilder und im Wald einen Rundweg.

Zunächst führt der Pfad durch einen schönen, alten, aber zunächst nicht sehr ergiebigen Wald. Überall blühten Leberblümchen. Schließlich wurde der Wald sumpfiger und der Weg nass. Der Weg war stellenweise durch Seile begrenzt und Schilder wiesen auf die Norne hin. So war die Pflanze dort noch einfacher zu finden.  Erstaunlicherweise waren hier die Pflanzen trotz der Meereshöhe noch ein wenig weiter zurück, Das Biotop schien besser bestückt, was möglicherweise daran lag, dass es zugänglicher war und wir deshalb mehr davon sahen. Auch hier nahm ich wieder viele Bilder mit und mit durchnässten Schuhen und Hose ging es zurück zum Auto.

Wir suchten uns einen Zeltplatz in der Nähe von Sundbron. Am nächsten Morgen besuchten wir den Skuleskogen Nationalpark. Auch dieser Nationalpark schützt einen wunderbaren alten Wald an der Ostsee. Wir entschlossen uns zu einer Wanderung über einen Lehrpfad zum Meer. Über Holzplanken führt der Weg hier durch eine wirklich schöne Landschaft mit schönen Ausblicken. Auch hier wuchsen  wieder viel Farn, Leberblümchen und Moos. Zahllose Maiglöckchen sorgen später im Jahr sicher für eine spektakuläre Blüte. Bevor wir die Bucht erreichten bemerkten wir einen Specht. Verena erkannte ihn sofort als Dreizehenspecht. Ich war über das spontane Erkennen der Art sehr verblüfft. Erst später klärte sie mich darüber auf, dass sie gerade erst den Vogel auf einer Hinweistafel gesehen hatte. Wir genossen dann noch die schöne Bucht. Leider war es etwas frisch und nieselig, also fuhren wir weiter.

Auf der exzellent ausgebauten E4 ging es rasant vorwärts und so hofften wir bis zum Abend bis Rovaniemi im finnischen Lappland zu kommen. In Haparanda überquerten wir die Grenze. Auf der finnischen Seite des Flusses Tornionjoki in Tornio machte uns ein finnischer Autofahrer auf einen platten Reifen aufmerksam. Für heute war hier also Schluss. Wir füllten den Reifen an einer Tankstelle und suchten ein Hotel. Gottseidank war das hier bezahlbarer als in Norwegen. Wir erkundigten uns dort nach einem Reifendienst und gingen noch spazieren. In Tornio stellten wir fest, dass das Hobby der lappländischen Jugend ist, mit Motorrädern und Autos (3ern BMW) mit teilweise aufheulendem Motor um die zwei Blocks der Innenstadt zu fahren. Das Verhalten mutete ob der Größe der Stadt sehr skurril an. Man sah jedes Fahrzeug alle 3 Minuten an sich vorbeifahren. Irgendwie niedlich.

Am nächsten Tag ging es gleich zu einem Reifendienst. Absolut entspannte Menschen wechselten uns den Reifen in 15 Minuten. Vermutlich waren wir über einen Spike gefahren. 160 Euro kosteten die neuen Hinterreifen. Manchmal frage ich mich, wieso man ins Ausland fahren muss, um kompetenten, freundlichen  und schnellen Service zu bekommen. Wir beschlossen trotz der verlorerenen Zeit von dort dennoch nach Norden zu fahren.

In Rovaniemi überquerten wir den Polarkreis und besuchten den Weihnachtsmann. Naja… eigentlich nur sein Dorf. Der Weihnachtsmann war gerade nicht da. Es ist einfach eine riesige Touristenfalle.

22_oulanka_sm Oulankajoki

Über Kemijärvi fuhren wir in Richtung Kuusamo zum wunderschönen Oulanka Nationalpark. Der Park wird seinem Ruf gerecht. Er bietet eine traumhafte Landschaft. Im Park unternahmen wir einen Spaziergang über einen Rundweg. Auch hier gab es Hinweise auf Calypso, die aber erst zwei Wochen später blüht. Andere Orchideen, wie den Frauenschuh kann man hier dann um den Mittsommertag finden. Leider war unser Aufenthalt durch die Reifenpanne deutlich verkürzt und so fuhren wir am gleichen Tag dann weiter nach Süden in Richtung Karelien.

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2 Gedanken zu „Ostseeumrundung im Zeitraffer – über Schweden an den Polarkreis

  1. Wunderbare Aufnahmen. Doch viel besser als die Bilder, die Du mir mal gezeigt hast. Bin begeistert. Ein Traum, die Norne mal so zu sehen. Aber 10.000 km würde ich dafür wohl nicht in Deinem abgerissenen Golf machen wollen. 🙂

    Gruß

    Christian

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