Ostseeumrundung im Zeitraffer – Karelien

09_vielfrass Vielfraß

Vom Norden Finnlands ging es auf die Via Karelia zum eigentlichen Ziel der Reise.

Die Via Karelia führt durch den Osten Finnlands. Seen wechseln sich mit Mooren und Wäldern ständig ab. An Behausungen kommt man so gut wie garnicht vorbei. Umso gruseliger empfanden wir das Kunstwerk „das stille Volk“, das nach stundenlanger Fahrt am Straßenrand auftauchte. Hier stehen hunderte, menschengroße Puppen dicht an dicht. Ich fühlte mich wie in einem Stephen King Film.

 

03_finnland Koli Nationalpark

Das Ende der Tagesetappe war der Pielinen-See. Wir zelteten auf einem Holzrückweg unweit des Sees. Am nächsten Tag wollten wir früh den Koli Nationalpark besuchen. Der Nationalpark soll eine der schönsten finnischen Landschaften haben. Wir wanderten bei schönstem Wetter den Berg Koli hinauf. Von oben zeigten sich tatsächlich wunderbare Ausblicke auf eine für uns urfinnische Landschaft mit viel Wasser und viel Wald. Ein absoluter Traum. Als wir oben waren, merkten wir, dass der Nachbarberg wohl eine bessere Aussicht hat. Ich kletterte nach oben und sah, dass sogar eine Straße hinaufführte und Nationalparkszentrum oben auf dem Berg lag. Also stiegen wir wieder ab und fuhren nach oben. Nach einem Mittagsmahl im dortigen Restaurant und einem Besuch beim Aussichtspunkt mussten wir schon wieder weiter in Richtung Lieksa zur Vielfraßbeobachtung mit EräEero.

Gefühlte Stunden ging es über Forstwege und abenteuerliche Nebenstraßen durch die Wildnis. Nach einiger Zeit gab es auch Hinweise auf die Vielfraßlodge. Die Straßen waren mehr als herausfordernd für den Golf, aber schließlich kamen wir an einer Hütte an, vor deren Tür schon ein Empfangskommitee aus drei Personen wartete. Wir wurden von den Personen herzlich empfangen und es wurden Tee und karelische Gebäckspezialitäten gereicht. Dann wurde uns erklärt, wie wir uns in den Beobachtungshütten zu verhalten hätten. Der Start war recht holprig, aber die etwas wortkargen Finnen sehr sympathisch und mit Händen und Füßen klappte die Kommunikation recht gut. 2 der drei Finnen sprachen auch passabel englisch.

Nach einer guten Stunde ging es dann mit Eero, dem Besitzer, zu den Beobachtungshütten. Die Fahrt führte noch tiefer in die Wildnis. Es gibt dort mehrere Hütten. Eine Hütte mit Übersicht über das Gelände und zwei, bei denen man Auge in Auge mit den Tieren sein kann. Wir ließen uns in die „Pro-Hide“ einschließen. Proviant und Stativköpfe wurden uns gestellt. Für das Teleobjektiv hatte ich meinen Gimbalkopf dabei, aber für Spektiv und Zweitkamera waren die zusätzlichen Stativköpfe sehr hilfreich.

 

04_specht Buntspecht

Gespannt warteten wir in der Hütte. Um die Zeit zu vertreiben fotografierten wir Spechte und beobachteten, wie sich Möwen und Raben (und auch der Specht) am augelegten Aas gütlich taten. Nach einer gefühlten Ewigkeit hörte ich ein Poltern und lautes Schnauben neben der Hütte. Natürlich schauten wir beide in die Richtung und da war tatsächlich der erste Vielfraß. Ab jetzt würde alles was noch käme Bonus sein.

Der Vielfraß trieb sich mehrere Minuten sehr geräuschvoll in der Nähe der Hütte herum. Die Biester sind wirklich gewaltig. Sie wirken wir Marder auf Steroiden. Nach einiger Zeit trollte er sich wieder. Dieses Schauspiel wiederholte sich mehrfach in der Nacht. Manchmal kamen sogar zwei Vielfraße gleichzeitig auf die Lichtung. In dieser Nacht schliefen wir abwechselnd, aber länger als zwei Stunden. Das was sich hier abspielte war viel zu aufregend. Am späten Morgen wurden wir dann aus der Hütte abgeholt. Nach einem kurzen Frühstück ging es für ein paar Stunden ins Bett. Als wir am frühen Nachmittag wieder aufstanden gab es eine herzhafte Fischsuppe. Selbst ich, der Fisch nicht unbedingt zu den Lieblingsspeisen zählt, fand die Suppe sehr lecker.

Danach ging es schon zur zweiten Nacht in die Beobachtungshütte. Es hatte sich ein zweiter Besucher eingefunden und so wichen wir auf die obere Aussichtshütte aus. Von hier war die Übersicht über das Gelände zwar besser, aber das Fotografieren schwieriger. Auch hier vertrieben wir uns zunächst die Zeit mit dem Fotografieren von Spechten. Auch beobachteten wir einen Gänsesäger auf dem See beim Fischfang. Der zweite Fisch, den er fing schien aber des Guten zu viel. Ein riesiges Tier, das fast so lang wie der Vogelrumpf war. „Nie und nimmer!“ dachte ich. Derartig herausgefordert kämpfte der Gänsesäger einige Zeit und schließlich würgte er über ein paar Minuten den riesigen Fisch dann doch herunter. Wir hatten den wahren Vielfraß von Lieksa gefunden. Später in der Nacht zeigte sich dann wieder ein Vielfraß, der lustigerweise versuchte, den Gänsesäger zu schnappen, aber dabei nicht ins Wasser wollte. Mitten in der Nacht konnten wir auch noch einen Habichtskauz erspähen. Am frühen Morgen schließlich, trottete ein Fuchs über die Lichtung und später erschienen auch wieder zwei Vielfraße.

Nachdem wir wieder zurück in der Lodge waren machten wir uns in der Sauna frisch und gingen wieder schlafen. Diesmal gab es eine finnische Spezialität, die hier in Deutschland niemand essen würde: Frühjahrslorchel. Ein absolut köstlicher, aber falsch zubereitet, tödlicher Pilz.

Die dritte Nacht verbrachten wir wieder in der „Pro-Hide“. Leider zeigten sich die Vielfraße nur kurz und auch sonst war die Nacht die am wenigsten ergiebige. Nach drei Nächten des Ansitzens war aber auch die Erschöpfung recht groß.

Die Beobachtung der Vielfraße war wirklich ein beeindruckendes Erlebnis. Auf diese Art und Weise geht das sicher nur dort. Wir können den Besuch nur empfehlen. Der Preis erscheint zunächst hoch, ist aber angemessen.

Kiitos Eerolle!

Video vom Vielfraß:

 

Video vom Habichtskauz:

 

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2 Gedanken zu „Ostseeumrundung im Zeitraffer – Karelien

  1. Hallo Martin, das sind hervorragende Bilder. Ich beneide dich um diese Fototour. Die gestörte Nachtruhe hat sich in meinen Augen gelohnt. Der Vielfraß scheint ein äußerst interessantes Tier zu sein.
    Danke für die Fotos, die du mir zu Verfügung gestellt hast. Kiitos Eerolle!

    Gruß
    Uwe

    • Hallo Uwe,

      danke für die lieben Worte. Es hat sich tatsächlich sehr gelohnt. Vielfraße sind wirklich sehr beeindruckend.
      .
      Ich freu mich, dass dir die Bilder gefallen. Deine Arbeiten sind auch echt geil. Passt!

      Gruß,
      Martin

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