Ostseeumrundung im Zeitraffer – Saaremaa

06_eiche_sm Loode Eichenwald
Unter Orchideenfreunden ist Saaremaa ein Geheimtip und man bekommt immer mal wieder die Empfehlung, dort hinzureisen. Die Insel ist recht ursprünglich, da sie lange Sperrgebiet war. Heutzutage ist die Insel sehr gut erschlossen und Kuressare ein sehr schöner, touristisch interessanter Ort.
So ging es von Tallinn an vielen Mooren vorbei durch regnerisches Wetter in Richtung Westen. Je näher wir der Westküste kamen, desto mehr klarte es aber auf und es zeigten sich erste Orchideen an den Straßenrändern. Zumeist waren es hier Helmknabenkräuter.
Schließlich ging es auf die Fähre und wir setzten über auf die Insel Saaremaa.
Durch Kiefernwälder ging es dann zur alten Stadt Kuressare. Hier schlugen wir das Zelt auf einem kleinen Campingplatz auf. Der Campingplatz war im Garten einer Familie. Alles recht klein, aber wirklich schön. In unmittelbarer Nähe des Campingplatzes war ein Bolzplatz auf dem, wie sollte es anders sein, wieder Orchideen blühten.
Wir bekamen den Tip den alten Eichenwald südwestlich von Kuressare zu besuchen. Der Wald ist wunderschön und tatsächlich fanden wir hier die ersten Orchideen, wo mir eine Einordnung schwer fiel. Ich vermute es war D. maculata, aber mit ungefleckten Blättern. Später fanden wir dort noch L. ovata, O. militaris und direkt am Weg Frauenschuh – C. calceolus. Zusammen mit den alten Eichen machte der Wald einen wirklich schönen Eindruck.

11_cypripedium_sm C. calceolus

Im Anschluss besuchten wir den Leuchtturm an der Südspitze. Im Frühjahr ist hier sicher alles blau vor Kuhschellen, wie man an den zahllosen Fruchtständen erkennen konnte.

Sehr zufrieden kehrten wir zum Zeltplatz zurück. Was für eine Insel.

Am nächsten Tag brachen wir nach Norden in Richtung Vilsandi Nationalpark auf. Im Besucherzentrum hatten wir tatsächlich das erste Mal auf der Reise Kommunikationsprobleme (sogar mit den Karelen ging das besser) und so machten wir uns dann ohne gute Informationen auf den Weg. Die Boote zur Insel waren für den Tag schon abgereist und der Fußweg zu weit und so mussten wir auf Saaremaa bleiben.
Der Nationalpark wirkt zunächst sehr karg. Auf den wenigen Bäumen oder gut getarnt im Schotter verbargen sich Vögel. Später ging die Landschaft in einen trockenen Kiefernwald über. Überall stand Wintergrün und so fiel mir erst garnicht auf, dass die auf einmal anders wirkten. Ein zweiter Blick: tatsächlich Listera cordata. Winzig und hier im völlig trockenen Kiefernwald. Das war unerwartet.

29_estland_sm Panga Pank

Gegen Abend fuhren wir dann noch zur Panga Pank, den Panga Klippen. Sanftes Licht, ein schöner Sonnenuntergang – tolle Stimmung dort.
Auf dem Rückweg wunderten wir uns, dass die Frontscheibe prasselte. Regen? Ohne Wolke? Nein… es waren Schwärme von Stechmücken. Am liebsten wären wir noch ein bisschen hin- und hergefahren, denn hier fingen die Biester an zu nerven.

Der nächste Tag führte uns zunächst zum Kaali-Meteoritenkrater. Man kann hier mehrer Krater eines Meteoriten besuchen. Recht interessant, aber ein kurzer Besuch reicht auch. So ging es auf der Bundesstraße weiter Richtung Osten, bis ich auf einmal auf der linken Straßenseite etwas gelb leuchten sah. Ich dachte sofort an Frauenschuh und suchte erfolglos den Waldrand ab. Verena wartete so lange im Auto. Als ich zurückkam grinste sie mich an. Mit den Worten „Wie sehr hast du mich lieb?“ wies sie auf die rechte Böschung und dort standen mehrere Horste Frauenschuh. Sehr verwirrt aber glücklich fotografierte ich das.
Ich vermute, dass auch links welche standen, die aber nur aus einem speziellen Winkel sichtbar sind. Auf der rechten Seite jedoch standen recht viele.
Immer gut, das Adlerauge dabei zu haben.

Im Anschluss besuchten wir noch ein wunderbares Hochmoor mit nicht so wunderbaren Stechmücken. Zu allem Unglück verlor Verena auch noch ihr Maskottchenplüschi. Aber wie das so ist, wenn man mich dabei hat… sie hat es wiedergefunden.

Und so ging es von dieser traumhaften Insel zurück auf das Festland. Hier machten wir noch einen kurzen Stop bei einem Orchideenbiotop, wo die Hybriden mich restlos verwirrten. Tja… keine Ahnung, was da alles drin ist. Schön sind sie ja… aber…

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2 Gedanken zu „Ostseeumrundung im Zeitraffer – Saaremaa

  1. Wonderful post and a wonderful place, Martin. Love that dark C. calceolus and the other orchids. Am really looking forward to our tour next summer. Hope the weather and orchids cooperate.

    • Estonia and especially Saaremaa is really beautiful. The real astonishing thing is that most of those orchids grew right by the road.

      I am really looking forward to the trip. I am very excited already. I am also hoping for lots of orchids and successful hikes.

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