Regentour am 1. Mai

21_cypripedium_2_sm Cypripedium calceolus – Frauenschuh

Am 1. Mai um 4:55 Uhr ging mal wieder der Wecker. Fast schon Tradition ist das frühe Aufstehen. Dieses Mal wollte ich mit meinen Bruder losziehen. Also trafen wir uns um 6:00 Uhr an seiner Ferienwohnung.

Das Wetter war schon am frühen Morgen unterirdisch. Dennoch fuhren wir gut gelaunt in Richtung Main-Franken. Wir hatten eine Mördertour geplant, die wir im Verlauf dann aber auf Grund allgemeiner Durchgeweichtheit noch etwas kürzten.

Wir starteten an einem Biotop, das mir vom letzten Jahr mit Katsu noch in guter Erinnerung war. Unzählige Orchis morio und enorm viele O. ustulata empfingen uns dort. Die geringe Anzahl an O. ustulata konnte ich nicht bestätigen. Es war wirklich absolut irre, wieviele blühende Pflanzen dort standen. Leider waren die Orchis morio nicht mehr besonders ansehnlich. Dennoch haben wir einige wenige schöne Pflanzen gefunden. Da das Wetter einigermaßen ekelhaft war fuhren wir schon nach kurzer Zeit weiter.

Das nächste Ziel sollte ein Frauenschuhbiotop in Mainfranken sein. Leider fanden wir dort keinen Frauenschuh, aber dafür Orchis purpurea, militaris und C. damasonium. Seltsam, denn eigentlich sollte das ein gutes Biotop sein.

Weiter ging es dann auf die andere Mainseite. Hier ging es dann über einen bekannten Orchideenpfad am Flugplatz in Karlstadt. Hier wurden wir dann reichlich nass, genossen aber dennoch die reiche Flora. Wir sahen viele Ragwurzen und viele Helmknabenkräuter, sowie sehr schöne Hybriden mit dem Purpurknabenkraut.

Total durchnässt hielten wir dann im Auto unser erstes Picknick ab und ich zog mich das erste Mal um.

Nächster Stop war dann der zweite Versuch den Frauenschuh zu finden. Das gestaltete sich aber wieder schwierig, denn zunächst fand ich nur Vogelnestwurzen und Purpurknabenkräuter. Vom Frauenschuh fehlte jede Spur. Ich war kurz davor total entnervt und frustriert aufzugeben, als ich wirklich an der letzten Möglichkeit in diesem Biotop, also in der letzten Ecke, die ich noch nicht abgesucht hatte dann das doch überraschend große  Vorkommen fand. Wunderbar ließen sich dort die Pflanzen freistellen, denn teilweise standen sie recht weit voneinander entfernt. Hier versuchte ich dann auch mal alternative Bilder zu machen und holte das billige 35mm 1:1.8 Nikkor DX-Plastikstandardobjektiv raus. Was soll ich sagen: so macht fotografieren Spaß. Ich werde das wohl in Zukunft öfter machen. Sehr tolle Ergebnisse, wie ich finde und die Ideen kann man durchaus vertiefen und ausbauen. Das Objektiv bildet wirklich toll ab und kostet nichtmal 200Euro. Die Nahgrenze ist auch nicht besonders groß… leider geil!

Völlig begeistert vom Erfolg ging es dann weiter zu einer Steppenheide in der Nähe von Würzburg. Der dortige Orchideenlehrpfad ist immer einen Besuch wert. Wiederum viele Ragwurzen, besonders Spinnen- und Fliegenragwurz, blühende Waldhyazinthen und überraschenderweise auch blühende Riemenzungen machten den Aufenthalt im Starkregen erträglich.

Obwohl es noch recht früh am Tag war ließen wir wegen des Wetters die Ziele im Taubertal außen vor und beschlossen direkt an den Neckar zu fahren, wo die Vegetation sicher weiter sein würde und wir uns daher mehr Neues versprachen. Tatsächlich waren die Riemenzungen dort schon in Hochblüte. Bereits nach wenigen Minuten fanden wir die ersten Puppenorchis (Aceras). Dann kam sogar ganz kurz die Sonne raus und ein Bläuling setzte sich direkt vor meine Nase auf eine Riemenzunge. Was für einen Unterschied das macht! Nach einer halben Stunde regnete es aber wieder leicht. Auch die Hummelragwurz fanden wir nach kurzer Zeit – in überraschend großen Zahlen. Die kleine Spinnenragwurz war durch, aber es gab extrem viele der großen Spinnenragwurz.

Dann versuchten wir im gegenüberliegenden Hang noch das Affenknabenkraut zu finden. Allerdings war das nicht von Erfolg gekrönt. Ich glaube nicht, dass es dieses Jahr dort welche gab. Es gab durchaus einige Pflanzen die nach Hybriden aussahen und auch welche, die oben etwas abgeblühter aussahen, aber vom Habitus einfach nach Helmknabenkraut (kurze Beinchen an den Blüten und schütterer Blütenstand) aussahen. Ich bleibe dabei: wenn man ungekreuzte, reine Affenknabenkräuter sehen will, ist der Kaiserstuhl die erste Wahl. Viel einfacher, in größere Menge und eindeutigere Exemplare. Möglicherweise ist das in anderen Jahren ja nicht so, aber ich habe dort jetzt zweimal diese Erfahrung gemacht.

 

Mit diesem Biotop beschlossen wir den wirklich tollen Tag. Danke Christian, das war wirklich ein Tag für die goldenen Seiten im Buch des Lebens!

 

Fundliste:

Orchideen: Orchis morio, Orchis ustulata, Orchis purpurea, Orchis militaris, Orchis mascula,  Cephalanthera damasonium, Ophrys sphegodes, Ophrys araneola (abgeblüht), Ophrys holoserica, Ophrys insectifera, Cypripedium calceolus, Neottia nidus-avis, Platanthera chlorantha, Himantoglossum hircinum, Aceras anthropophorum, Listera ovata.

Orchideenhybriden: Ophrys araneola X Ophrys sphegodes, Ophrys sphegodes X Ophrys holoserica, Orchis militaris X Orchis simia, Orchis purpurea X Orchis militaris

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2 Gedanken zu „Regentour am 1. Mai

  1. What can I say? An amazing collection of species and photos. What a treat to see all these on one trip. Must try to plan a trip to your area at the right season.

    We are having an early spring also and the Calypsos are nearly finished already at the lowest elevations. We have a hiked planned to see them tomorrow but I’m not sure any will still be blooming! We wanted to see the alba Calypsos, but I am afraid they will be finished. There’s always other things to see, though, since the Coralroots will be blooming.

    • We had quite a good time despite the rain. It was quite the drive. Roundabout 450km with 6 stops or so. If you ever come here we’d do a multi day trip with probably quite a few more species.

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