Verdun und Reims

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Die letzten drei Monate fehlte mir irgendwie die Inspiration beim Fotografieren. Das merkt man dann doch sehr deutlich an den Resultaten. Das meiste, was ich da ablichtete wirkt für mich lustlos und lahm. Ich weiß nicht, ob der Urlaub mich da immer noch überfordert, jedenfalls will keine richtige Lust aufkommen. Die Kamera ist zwar oft dabei, aber wirklich Spaß macht es auch nicht. Richtig geil war eigentlich das letzte Mal die Bienenfressertour im August und viellelicht noch der Ausflug mit den Eltern nach Verdun und Reims, wenn auch letzteres vom Thema grenzwertig düster.

Muss es also immer eine Steigerung zu „noch spektakulärer“, „noch toller“ geben, oder gebe ich mich irgendwann damit zufrieden, dass es nicht immer super super Ergebnisse oder Motive geben wird? Ich denke ja, dass ich die Kurve wieder kriege.

Schon erstaunlich: Warum hatte ich so wenig Spaß am Fotografieren bei bestem Wetter im Hainich im Herbst? Natürlich liegt das nicht am Nationalpark selbst, der ist schon schön und unsere Zeit dort auch. Für die spektakuläre Blattfärbung waren wir zwar noch zu früh, aber eigentlich sollte mir da mehr einfallen.

Lichtblick war tatsächlich die Fahrt nach Reims. Der Zwischenstop in Verdun lässt einen Schlucken. Wie dort mit Menschenleben umgegangen wurde, kann nur erschüttern. Hunderttausende fielen 1916 in sinnlosen Grabenkämpfen in der Schlacht um Verdun. Ganze Dörfer, wie zum Beispiel Fleury wurden komplett vernichtet. Sechzehnmal  zog die Frontlinie über das Dorf und es ist nichts mehr vom Dorf zu sehen. Kein Stein, keine Mauer, nur Krater finden sich in der Landschaft, wo früher Bauernhöfe, Wohnhäuser, Schmieden, Pfarrhäuser standen. Mittlerweile ist der grauenvolle Ort von Wald überwachsen, aber noch immer werden Überreste von Gefallenen gefunden.

Am beeindruckenden Ossarium von Douaumont mit seinen tausenden Kreuzen dann eine Gedenktafel von Kohl und Mitterand: „Nous nous sommes réconcilies, nous nous sommes compris, nous sommes devenus amis.“ – „Wir haben uns versöhnt, wir haben uns verständigt, wir sind Freunde geworden.“ Was für eine erstaunliche Wendung das Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland genommen hat. Unfassbar großartig!

In Reims dann die schöne Altstadt mit der wunderbaren Kathedrale. Eine wirklich tolle Stadt mit einem sehr lebendigen Ausgehviertel. Alleine die Kathedrale wäre aber schon eine Reise wert. Der prachtvolle Gothikbau überragt die restlichen Gebäude bei weitem.  Die zahlreichen Figürchen und Wasserspeier bieten dem Auge immer wieder Neues. Aber auch hier in der Champagne hat der Krieg Spuren hinterlassen. Die Kathedrale wurde im ersten Weltkrieg gezielt unter Beschuss genommen und brannte schließlich vollständig aus. Im benachbarten Museum sind Wasserspeier ausgestellt, die während des Brandes das geschmolzene Blei des Dachs nach unten beförderten. Daneben waren Bilder von Otto Dix zum Thema 1. Weltkieg dort ausgestellt. Ganz starker Tobak.

Was für ein Glück wir haben, heute in Mitteleuropa solch friedliche Zeiten zu erleben! Das macht mich nachdenklich und dankbar.

 

Hmm… das war jetzt vielleicht düsterer als ich eigentlich vorhatte, aber es kann auch nicht immer nur alles rosarot sein.

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