Orchideen im Februar

Nachmittags kamen wir am Zeltplatz in Mérida an. Beim Versuch das Zelt aufzustellen dann der große Schreck: eine Zeltstange brach und das direkt vor der ersten Nacht. Gottseidank ließ sich die Stange gut mit einem Alurohr und etwas Gaffertape reparieren und wir stellten es mit deutlich weniger Spannung auf. Glück im Unglück! Der Zeltplatz war nicht besonders gut und wir beschlossen dort nur eine Nacht zu verbringen und vorher noch den nahen Cornalvo Naturpark zu besuchen.

Parque Natural Cornalvo

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Der Park bietet viel Korkeichenhutewald, teilweise recht unübersichtliche Granitblocklandschaft und mehrere Stauseen, an denen man gut Vögel beobachten kann. Direkt am ersten Abend fielen uns die zahlreichen Blauelstern auf. Diese Vögel gibt es in Europa nur in der Extremadura und im angrenzenden Andalusien und Süd-Portugal, dort aber wirklich zahlreich. Viele Ornithologen reisen extra für diese Art in die Extremadura. Dass die Sichtung so einfach ist, hätte ich aber nicht gedacht.

An zwei Tagen unternahmen wir im Park ausgedehnte Spaziergänge. Direkt am Parkplatz des ersten Wegs sah ich dann aus dem Augenwinkel eine ungewöhnliche Farbe im Gras. Tatsächlich, die erste Orchidee unserer Rundreise, Ophrys tenthredinifera, die Wespenragwurz. Unser Exemplar dort war nicht besonders ansehnlich und schlecht zu fotografieren. Während ich mich dort abmühte fand Verena schon die nächste Art, nämlich Anacamptis champagneuxii, eine spanische Abart des kleinen Knabenkrauts.

So hatten wir schon vor unserer einzigen geplanten Orchideenexkursion die ersten Blüten gefunden.

 

Sierra de Alor

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Die einzige richtige Orchideentour führte uns durch die Sierra de Alor bei San Jorge. Ein traumhafter Weg, der durch Olivenhaine auf die Sierra führt. Schon früh fanden wir die erste Orchidee: ein aufblühendes Schmetterlings-Knabenkraut, Anacamptis papilionacea. Ich war sehr überrascht über die Größe und Pracht der Blüte. Das war für mich auch eines der Highlights des Spaziergangs.

Ein Hirte, der uns mit seiner Herde begegnete, begrüßte uns mit: „Mein General!“, nachdem er mitbekam, dass wir aus Deutschland waren. Skurril und lustig, was einem so unterkommt.

Immer wieder wuchs auch hier am Wegrand Anacamptis champagneuxii. Weiter oben am Berg fanden wir dann auch noch Anacamptis collina, das Hügel-Knabenkraut und wenig später dann riesenhafte Barlia robertiana (neuerdings Himantoglossum robertianum). Sie wurde dem Namen Riesenknabenkraut oder Mastorchidee  wirklich gerecht. Erst auf den zweiten Blick sahen wir dann auch kleinere Exemplare.

Auf dem Weg in Richtung La Serena, wo wir hofften, Trappen zu sehen, sahen wir dann am Wegrand wieder Riesenknabenkräuter am Straßenrand bei Valverde. Natürlich wollte ich halten. Beim Durchstöbern des Gebiets fanden wir dort außer einigen Arten, die wir vorher schon gefunden hatten noch Neotinea conica, das Kegel-Knabenkraut.

Nach diesen Funden fuhren wir noch durch die abgelegene Serena, um Trappen zu finden. Auf einmal sah ich etwas seltsames. Mein erster Gedanke war: „Warum hat da jemand Parkas in die Bäume gehängt?“ Ich stutzte, hielt an, schaute genauer. „Geier!“

 

La Albuera

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Auch auf dem Weg in die Serena fiel uns eine Dehesa bei La Albuera auf und so suchten wir sie am nächsten Tag auf. Es ist ein wunderbares Gebiet. Unter den Bäumen waren wahre Blumenteppiche aus Löwenzahn und Kamille – überall waren Vögel aktiv. Die Lagune allerdings, wo Watvögel zu beobachten sein sollten war ausgetrocknet. Dennoch ein sehr schönes Gebiet.

 

Parque Periurbano de Moheda Alta

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Langsam verließen wir den Süden und brachen in Richtung Norden auf. Auf der Karte fiel uns das Gebiet Moheda Alta auf, das ungefähr auf der Route lag und uns für einen Zwischenstop günstig schien. Auch hier führte ein Pfad durch die Dehesa. Direkt am Parkplatz auf einem toten Baum saßen schon zwei Wiedehopfe. Überall im Wald dort hörten wir sie rufen. Mehrfach sahen wir welche. Für uns war das sehr spektakulär. Sehr schön war hier auch der Aussichtspunkt, wo man, ähnlich wie an den Schiersteiner Wasserwerken, mehrere Teiche überblicken kann. Allerdings bekommt man viel mehr Vögel zu Gesicht, unter anderem Kraniche und Löffelreiher.

 

Tip: Es gibt einen kostenlosen Orchideenführer zum Herunterladen für die Orchideen der Extremadura vom Proyecto Orquidea – tolle und hilfreiche Seite!

Wurde schon öfter gefragt, wie ich das mit dem Bestimmen hin bekomme. Einfach: ich benutze solche Literatur 😀

Dass es nicht immer hinhaut oder stimmt mit meinen Bestimmungen ist eine andere Sache.

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2 Gedanken zu „Orchideen im Februar

  1. Lieber Martin,

    joaaaaa. Also. Jammern wir mal auf höchstem Niveau: Nicht sooo schlecht. Wobei die anacamptis campagneuxi haste nich‘ sooooo gut hinbekomm‘ find‘ ich. Musste also nochma‘ hin. 🙂

    Gruß

    C.

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