Spiranthes spiralis- das Ende des Orchideenjahres

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Die Blüte der Spiranthes spiralis, der Herbst-Drehwurz, beschließt das Orchideenjahr. Für mich ist die Vorstandssitzung unseres Vereins jedes Jahr ein willkommener Anlass, diese seltene Orchidee aufzusuchen. Oft hat man ja vor so einer Tour schon ein Foto im Kopf – in meinem Falle wollte ich die Pflanze unbedingt vor der aufgehenden Sonne fotografieren. Das bedeutete für mich, dass ich um 4:45 aufstehen musste. Um 6:30 war ich dann vor Ort und tatsächlich war es mir möglich, ein paar schöne Pflanzen auszumachen.

Die Lichtstimmung war tatsächlich grandios und ich habe es trotz der Zeit wirklich genießen können und habe mein Wunschfoto machen können.

Absolut spektakulär fiel dann die Weiterfahrt aus. Von der Autobahn aus sah ich die Sonne über der Wetterau nach oben steigen. Im Tal der Wetter lag der Morgennebel und aus dem Dunst ragte das Wetterauer Tintenfass, die Münzenburg. Wer das je gesehen hat, wird nie behaupten, dass Hessen nichts zu bieten hat. Was für eine wunderschöne Landschaft, was für ein spektakulärer Morgen.

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Zur Kapuzenorchis

18_sm Kapuzenorchis – Neottianthe cucullata

Seit fast einem Jahr plante ich mit Manfred zusammen, zur Kapuzenorchis zu fahren. Die Planungen wurden immer konkreter und im Frühjahr kam noch Sebastian zu den Planungen hinzu. Ich reichte Urlaub ein und Mitte des Sommers war für mich dann das dann geritzt – tja… und dann sagten die beiden Mitstreiter ab.

Die Überlegung war dann: nächstes Jahr fahren, auf meine Planungen für nächstes Jahr zu verzichten und die Zeit in Hessen zu verbringen, oder trotzdem alleine fahren. Da ich mich wirklich schon sehr auf den Ausflug gefreut hatte, fuhr ich dann trotzdem. Irgendwie hatte ich auch  etwas Auszeit wirklich nötig. Leider konnte Verena nicht mehr mit. Sie hatte keinen Urlaub genommen, da ihr der Ausflug mit uns dreien zu orchideenlastig geworden wäre und sie hätte so kurzfristig auch keinen mehr bekommen.

Anreise

Also habe ich mich alleine auf die 1400km nach Osten gemacht. Einen ersten Zwischenstop legte ich in Osthessen ein, um nach der übersehenen Stendelwurz zu schauen. Diese Art hatte ich tatsächlich lange übersehen. Im Anschluss hielt ich noch einmal in Thüringen, wo ich aber nicht fündig wurde.

Das erste wirkliche Ziel war aber in Berlin. Dort besuchte ich meine Freundin Janna. Ein entspannter Tag im Zoo und gemütliches Spazieren und Essen – gut, um den Urlaub zu beginnen. Von Berlin fuhr ich am Montag dann die 800km weiter nach Osten. Bis Warschau ist die Autobahn super zu fahren. Dahinter wird es aber abenteuerlich. Der Verkehr ist irre dicht und langsam, denn es quält sich LKW an LKW über eine Landstraße in Richtung Baltikum. Extrem entnervend. Gottseidank bastelt Polen an dieser Stelle an einer Autobahn, damit dieses Problem gelöst wird. Generell muss man den Hut ziehen vor den Polen. Die Autobahn ist deutlich besser als bei uns (wohl auch neuer) und vor allem wird an Autobahnbaustellen auch tatsächlich gearbeitet. Wo in Deutschland für gefühlte Jahre kilometerlang eine Baustelle eingerichtet ist, an der zwei Bagger monatelang nur Rost ansetzen, sind in Polen alle zwei Meter Leute am Arbeiten. Vielleicht sollte der Verkehrsminister sich das einmal anschauen. Vermutlich ist das leider unmöglich, weil die Flugbereitschaft des Bundes solche Ziele nicht anfliegt.

 

Augustów

Erst gegen Abend kam ich in Augustów an. Augustów ist ein schönes, kleines Städtchen, traumhaft an einem See gelegen. Das Hotel war etwas außerhalb, was aber durchaus von mir so gewünscht war. Die Region Podlachien ist so etwas wie das Brandenburg Polens. Irgendwie idyllisch, durchaus mit Reizen, aber dann doch sehr abgelegen. Im Übrigen die kälteste Region Polens, was natürlich auch das Vorkommen der Kapuzenorchis, einer eigentlich sibirischen Art, erklärt.

Nach dem Einchecken beschloss ich noch einmal ins Biotop am Augustów-Kanal zu gehen und etwas vor zu erkunden. Tatsächlich fand ich nach kurzer Zeit bereits die erste Kapuzenorchis. Und das, obwohl ich im dunklen Wald, spät Abends und ohne die Tips zu benutzen, losmarschiert bin. Ich wusste nur die ungefähre Position. Zufrieden ging es zurück ins Hotel.

Am nächsten Tag ging ich dann wieder los. An vielen Stellen fand ich die Orchidee zu beiden Seiten des Kanals. Insgesamt wohl über 100 Exemplare. Die Pflanzen sind sehr klein und anfangs etwas schwer zu entdecken, man schießt sich aber rasch auf die Farbe ein. Etwas seltener als die Kapuzenorchis war dort das kriechende Netzblatt. Stellen wie in der Eifel mit Netzblatt dicht an dicht sucht man in Polen wohl vergeblich. Dafür steht die Art wirklich in jedem Kiefernwald. Seltsamerweise sind es fast immer Einzelexemplare. Auch braunrote Stendelwurz konnte man vereinzelt finden. Alle drei Arten waren erstaunlicherweise in Blüte. Über den Tag verteilt spulte ich deutlich über 20km ab, schließlich wollte ich möglichst viel sehen. Neben den Orchideen sah ich einen Schwarzstorch, einen Segelfalter, einen Trauermantel und viele weitere Vögel und Schmetterlinge. Dort in der Natur geht einem wirklich das Herz auf.

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Am nächsten Morgen suchte ich noch einmal den einfacheren Standort der Kapuzenorchis auf. Dieses Mal fuhr ich aber direkt bis an den Wald, um mir Lauferei zu sparen. Bei Tage betrachtet wurde mir an den Stellen, die ich vorher nicht besucht hatte, deutlich, dass besonders dieser einfach erreichbare Standort sehr unter dem Orchideentourismus leidet. Irgendwie verliert man doch etwas den Spaß an dem Hobby, wenn man sieht, dass wohl ganze Gruppen durch den Wald gelotst werden. Nein, es waren immerhin keine Orchideen platt getrampelt, aber machen wir uns nichts vor: wenn man alles um eine Orchidee platt macht, wie soll sie sich denn dann ausbreiten und in irgend einer Weise positiv entwickeln. Mal ganz von den sterilen Exemplaren und Jungpflanzen abgesehen, die man nicht so ohne weiteres sieht. Jetzt könnte man sagen: jaahaa… du bist doch selber in den Wald. Das stimmt – ich habe die Pfade benutzt, aber ich habe auch darauf geachtet, nicht das Moos um die Pflanzen einzudrücken und die Pflanzen, die um die Orchideen stehen, zu beschädigen. Diese Pflanzenzupferei, die manche für ein noch saubereres, noch klinischeres Bild betreiben, ist auch eine absolute Unsitte. Mancher würde jetzt sagen: aber ohne die Pfade wärst du doch auch in den Wald. Nein, wäre ich nicht, denn es gab auch am Weg Exemplare. Ich muss nicht von jeder Pflanze Bilder machen. Wir reden hier von einer Pflanze, die in Polen wirklich selten ist. Lasst es also einfach.

Im Anschluss an den erneuten Besuch im Biotop fuhr ich noch zum Wigry Nationalpark. Dieser Park ist auch sehr idyllisch und noch einsamer als die Gegend um den Augustów-Kanal. Ein altes Kloster ist dort einen Besuch wert. An einem Lehrpfad sah ich dann in einem See einen Silberreiher stehen. Dieser flog nach kurzer Zeit auf und landete am Ufer. Die ganze Szene war in einem magischen Licht. Der dunkle Wald, der weiße Vogel, der zarte Uferbewuchs. Als ich die Fotos, die ich davon machte, betrachtete jubelte ich innerlich. Bei starkem Gegenlicht erzeugt das 300mm PF von Nikon Halos. Dies ließ den Vogel auf dem Bild richtig von innen heraus scheinen. Eigentlich ist das eine optische Unzulänglichkeit des Objektivs, die in den einschlägigen Foren immer sehr kritisch beäugt wird, die mir hier aber ausgesprochen gut gefällt. Ich freue mich wirklich über das Resultat.

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Auf dem Rückweg von Wigry hielt mich dann die Polnizei an. Offenbar ist es ungewöhnlich, dass ein deutsches Auto dort mit nur einem Passagier fährt. Freundlich, aber bestimmt wurde dann mein Auto durchsucht. Da ich weder Syrer noch Zigaretten schmuggle, wurde ich nach 5 Minuten weitergewunken. Komisch, dass mir so etwas noch nie in Deutschland passiert ist. Einmal in den USA und einmal jetzt in Polen.

 

Abreise

Am nächsten Tag war dann schon Abreisetag. Auf dem Rückweg hielt ich nach gefühlter stundenlanger Suche noch am Biebrza Nationalpark. Dort sind die Straßen tatsächlich abenteuerlich und das Navi ist überhaupt keine Hilfe. Schließlich fand ich den Parkplatz, aber enttäuschenderweise kann man ohne Guide zu Fuß praktisch nicht viel dort machen.

Die Nacht verbrachte ich in Brandenburg. Ich suchte am nächsten Tag noch ein Biotop in Brandenburg auf. Wobei man wirklich sagen muss, dass in Brandenburg die Nebenstraßen wirklich Schlaglöcher von Weltruhm haben. Vermutlich hat man sich von spanischen Stardesignern extra schöne Schlaglöcher entwerfen lassen. Da kommt Polen einfach nicht mit.

Den Abschluss bildete dann ein Ausflug mit Mathias in Nordhessen. Irgendwie schloss sich der Kreis. Zur Abreise Purpur-Stendelwurz, zur Rückkehr Purpur-Stendelwurz. Das war ein sehr ereignisreicher Kurzurlaub. Vielleicht ein bisschen viel Lauferei, aber wer viel sehen will, der muss auch viel gehen.

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