SoFi-Tour – Von Chicago in die Great Plains (IL, MO, AR, OK, KA, NE)

Chicago 05_sm Aussicht vom Sears Tower

Vor zwei Jahren bereits, nachdem unsere Sonnenfinsternistour nach Färöer schon während der Planung gescheitert war und wir nur die partielle Finsternis auf dem Parkdeck des MTZ beobachten konnten, reifte in mir der Plan, es das nächste Mal durchzuziehen.
Günstigerweise war die nächste Finsternis dann in den USA, also leicht erreichbar, bezahlbar und logistisch einfach zu bewältigen. Vor einem Jahr, also dem frühesten Zeitpunkt, an dem man Flüge buchen konnten, war ich dann entsetzt, als Flüge in die Nähe der Sonnenfinsternis nach Salt-Lake-City oder Portland schon um die €2000 kosten sollten, also mussten wir nach Alternativen Ausschau halten. Eine Recherche ergab, dass im Westen Nebraskas mit besten Bedingungen zu rechnen sein würde. Der Osten der USA schied für uns wegen der unsicheren Wetterbedingungen mit hoher Luftfeuchte aus.
In den mittleren Westen bestehen Anreisemöglichkeiten aus Denver oder eben Chicago. Chicago war die günstigste Möglichkeit. Von allen bisher von mir gebuchten Flügen in die USA war dies der günstigste. Für An- und Abreise dachten wir, sollte jeweils eine Woche genügen. Wie wir feststellten war das doch recht knapp, aber wir haben es gut hinbekommen. Zwei Tage mehr hätten natürlich nicht geschadet.

Nach einer stressigen Anreise mit Zwischenlandung in Stockholm landeten wir Nachts in Chicago. Nachdem ich mir von den Autovermietern noch allerlei überflüssiges und überteuertes Zeug habe aufschwätzen lassen fuhren wir in unser Hotel. Ernsthaft: diese automatischen Mautchips braucht man nicht. Lasst euch nichts einreden: Man kann die Maut überall bar oder später online zahlen, wenn man überhaupt Mautstrecken benutzen will. Wir sind über 2 Mautstrecken gefahren, von denen bei einer noch nicht einmal der Chip funktioniert hat.
Das Hotel „Congress Plaza“ liegt direkt am Millenium Park und wir hatten ein Zimmer weit oben mit einem fabelhaften Blick auf den Lake Michigan und die Skyline nördlich des Parks. Dafür haben wir dann einen Spottpreis bezahlt. Nicht so günstig ist allerdings das Parken. Insgesamt haben wir in Chicago wohl 150EUR verparkt… an zwei Tagen.

Dank Jetlag gingen wir noch deutlich vor dem Frühstück in den Millenium Park. Die Blüten zogen Schmetterlinge und andere Insekten an. Es schwirrte vor tierischem Lebenund nur der eine oder andere Jogger lief uns über den Weg.
Eine ganz besondere Stimmung, so ganz früh in der Millionenmetropole.
Chicago hat sicher eine der beeindruckendsten Skylines in den USA. Wieder war ich ziemlich begeistert. Seit meinem letzten Besuch sind etliche Hochhäuser dazugekommen, wie zum Beispiel der Trump Tower oder Aqua. Architektur ist in Chicago auch immer das große Thema, da Chicago ja die Geburtsstätte des modernen Hochhausbaus ist. Bereits 1885 entstand hier das erste Hochhaus. Viele Hochhäuser der Chicagoer Schule kann man auch heute noch bewundern. Um dem Thema näher zu kommen, nahmen wir an einer Architekturrundfahrt auf dem Chicago River teil. Das kann man wirklich jedem nur empfehlen. Die Rundfahrt war hochspannend und informativ. Vom Chicago Style, über Art Deco und Moderne bis zur Postmoderne bekommt man alles gezeigt und erläutert. Von allem hat die Stadt reichlich.
Nach der Rundfahrt besuchten wir den Sears Tower (der neue Name, „Willis Tower“, hat sich in Chicago noch nicht durchgesetzt). Aus über 400m hat man eine fantastische Aussicht auf die Stadt. Natürlich haben wir auch einen der Glasbodenbalkons besucht. Ein etwas mulmiges Gefühl, aus dem Turm in die Leere herauszutreten, selbst wenn man weiß, dass das Panzerglas stabil ist und die Leute vorher auch kein Problem hatten.

Missouri – Heimat von Mark Twain 04_sm Der Gateway Arch

Gegen Abend ging es schon weiter in Richtung Hannibal, Missouri. Die Fahrt durch das südliche Illinois war nervtötend langweilig und eintönig. Hier bekamen wir einen ersten Eindruck des bäuerlichen, mittleren Westens. Das schlechte Wetter half dabei kein Stück. Mit Erreichen des Mississippi wurde die Landschaft aber spannender.
Hannibal ist die Heimatstadt von Mark Twain und überall finden sich die Inspirationen für Twains Werk „Tom Sawyer“. Nach einem ausgiebigen Spaziergang durch die Stadt und einem Besuch des Lovers Leap fuhren wir noch zu den Mark Twain Caves. Die Karstlandschaft Missouris hat etliche labyrinthartige Höhlen. Die Mark Twain Cave diente als Vorlage für die Höhle, in welcher der Showdown des Romans „Tom Sawyer“ stattfindet.

Von Hannibal aus fuhren wir nach Süden. Das Ziel war St. Louis. Hier wollte ich eine Mississippi-Fahrt machen und den Gateway Arch besuchen. Die Kreuzfahrt war relativ unspannend, gerade im Vergleich zu der Architekturkreuzfahrt in Chicago. Ein Guide, der im tiefsten Südstaatendialekt unverständlich vor sich her redete, half da gar nicht. Auch die Akkustik war schlecht.
Dafür war dann aber der Arch sehr sehenswert. Man kann in winzigen, engen Kapseln, jeweils zu fünft im Inneren des Bauwerks hinauffahren und dann die Aussicht aus fast 190m Höhe genießen.
Am nächsten Tag wollte Verena noch Werkzeuge für ihre Holzarbeiten kaufen. Es gibt im Westen der Stadt ein sehr gutes Geschäft, dass sich auf Holzbearbeitung spezialisiert ist.

Die Fahrt ging weiter nach Südwesten durch eine erstaunlich spannende Landschaft. Dichte Wälder, die vor Insekten brummten, säumten die Highways.
Mit einem Mal sah ich auf der Straße einen Klumpen. Verena rief sofort: „Eine Schildkröte, halt an!“ Also stoppten wir und halfen dem Tier über die Straße, bevor es überfahren würde. Wir identifizierten es als Box Turtle. Welche der zwei dort vorkommenden Arten es ist, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, aber ich tendiere zur Three-Toed Box Turtle, da sie eher in den Wäldern vorkommt.
Wir beschlossen im Mark Twain National Forest einen weiteren Stop einzulegen und hielten am
Council Bluff Lake – ein Glückstreffer. Sofort fielen uns die vielen Schmetterlinge auf. Vor allem mehrere Arten Schwalbenschwänze, schwarze und hellgelbe, begeisterten uns. Auch Frösche, riesige Libellen und Echsen waren zu sehen.

Great Plains 06_sm Die Tallgrass Prairie

Das Tagesziel brachte uns allerdings weiter nach Fayetteville in Arkansas. Wegen des starken Unwetters mit massig umgestürzten Bäumen an der Straße und einer Sicht von weniger als 10m konnten wir aber abends nicht mehr viel machen, außer ein Motel aufzusuchen. Den Stop im Ozark National Forest ließen wir deshalb einfach aus.
Tags darauf erreichten wir in Oklahoma die Great Plains. Nach dem Frühstück in Tulsa stand eine Fahretappe nach Nebraska an. Einziger längerer Zwischenstop sollte das Tallgras Prairie National Preserve sein. Hier kann man noch Prärie im Urzustand sehen. Das Land war zu steinig, um es für den Ackerbau zu kultivieren und so war Viehzucht die einzige Möglichkeit der Landnutzung. Der Büffel verschwand und wurde durch das Hausrind ersetzt, wodurch der Präriecharakter erhalten blieb. Später wurde dann wieder der Büffel angesiedelt und das Naturschutzgebiet gegründet. Bemerkenswert ist hier die Vielfalt der Pflanzen und Insekten.
Bemerkenswert auch, dass die einzige langweilige Landschaft bisher in Illinois war. Das änderte sich dann im östlichen Nebraska: Brettflach, landwirtschaftlich genutzt, wenig Bäume – da heißt es dann wirklich so schnell wie möglich durch.
Weil uns zudem das Hotelzimmer storniert wurde. Angeblich war das Motel pleite ist- wir hingegen vermuten, dass man wegen der bevorstehenden Sonnenfinsternis einfach die günstigen Buchungen loswerden wollte. Auch andere Motels waren komplett ausgebucht, bzw. riefen ab $400 für einfachste Zimmer auf. Also schliefen wir am Autobahnrastplatz im Auto.

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