Ol‘ Man River

Von North Dakota ging es zurück nach Osten in Richtung Minnesota. Die für mich langweiligste Etappe führte uns durch endlose Landwirtschaftsflächen in North Dakota nach Minnesota.
Schließlich zeichneten sich gegen Abend am Horizont Wolken ab und es wurde klar, dass diese Wolken ziemlich genau die Grenze zu Minnesota markierten. Abrupt endeten die endlosen Mais- und Sojafelder an der Grenze und kleinere Felder wechselten sich jetzt mit Wäldern und Seen ab.

Minnesota
Gottseidank endete damit auch die Eintönigkeit. Die Landschaft wurde immer waldiger. Irgendwie ist Minnesota so eine Art Finnland. Ich musste grinsen, dass das erste Verkehrschild, dass ich in Minnesota bewusst wahrnahm ein Warnschild vor Motorschlitten war. Offensichtlich im Winter ein normales Fortbewegungsmittel. Wir übernachteten mitten in der Seenplatte Minnesotas. Es reihte sich See an See und die Gegend lud zu Spaziergängen ein.

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Einen längeren Stop legten wir auch am Mille Lacs Lake ein. Der See ist ziemlich genauso groß wie der Bodensee, aber in den Ausmaßen in den USA oder sogar in Minnesota nicht außergewöhnlich.

Great River Road
Wir fuhren weiter nach Süden durch Minnesota, bis wir schließlich in Minneapolis den Mississippi wieder erreichten. Wir beschlossen, am Fluss entlang zu fahren. Nach kurzer Zeit erreichten wir, direkt hinter der Grenze zu Wisconsin, mehr durch Zufall das Great River Road Visitor Center. Es fing also vielversprechend an und tatsächlich entpuppte sich die Straße am Mississippi entlang als eine wunderschöne, bequem zu fahrende Straße mit wunderbaren Ausblicken auf den großen Fluss. Immer wieder säumten weitläufige Sümpfe und Feuchtgebiete die Ufer. Es wundert nicht, dass diese Gegend für Zugvögel eine solche Bedeutung hat. Spät abends kamen wir nach der spektakulären Etappe in unserem Ziel „Prairie du Chien“ an.

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Da wir nicht viel fotografieren konnten, fuhren wir nach Sonnenuntergang noch einmal auf das andere Flussufer nach Iowa zum Pikes Peak State Park. Die 150m hohe Klippe ist wohl der höchste Aussichtspunkt am Mississippi und erinnert entfernt an den Rheindurchbruch, wobei das Tal des Mississippi natürlich wesentlich weitläufiger ist. Der Blick dort hinunter nachts bei sternenklarer Nacht, mit Gewittern im Süden und im Osten war schon etwas ganz besonderes.

Effigy Mounds
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Am nächsten Tag besuchten wir dann die Effigy Mounds in Iowa. Ähnlich wie die Kelten in Europa legten auch die Indianer Hügelgräber an. Besonders an den Ufern des großen Stroms wurden die sogenannten Mounds errichtet. Die Besonderheit ist hier, dass die Gräber oft die Form von Tieren haben. Leider wurden die meisten Gräber durch Ackerbau vernichtet, aber im Effigy Mounds State Park existieren noch recht viele. Wir hatten das Glück, dass wir direkt vor einer morgendlichen Führung dort aufschlugen. Die Führung war super. Ich kam mit der Rangerin ins Gespräch und sie war auch ein Fan heimischer Orchideen und sie erzählte uns, dass wir vielleicht noch Blüten sehen würden. Ich war total verblüfft, aber tatsächlich zeigte sie uns eine Gruppe abblühender Triphora trianthophoros (Three birds orchid). Uns selbst wären die Pflänzchen niemals aufgefallen. Sie sind auf den ersten Blick ziemlich anders als unsere Orchideen – sie waren dort auch sehr schwierig zu fotografieren. Aber nicht nur die Orchideen waren ein Highlight: auch die Ausblicke und natürlich die Gräber beeindruckten uns sehr und wurden von der Rangerin sehr gut präsentiert. Ein wirklich sehr empfehlenswerter Park, abseits der großen Attraktionen.

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