Große Alpentour

Unser Sommerurlaub führte uns dieses Jahr in die Alpen. Primär wollte ich ein bisschen Entspannen und die Zeit mit Verena  genießen, aber natürlich geht es im Sommer in den Alpen nicht ohne Orchideen.

Berner Oberland

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Zunächst führte unser Weg durch die Schweiz. Gegen Mittag kamen wir in Grindelwald an. Da es irgendwie noch zu früh war, einen Campingplatz zu suchen, fuhren wir mit der Seilbahn auf den Männlichen. Der Berg ist ein wahres Blumenparadies. Wir bekamen hier schon einen Vorgeschmack auf das, was später noch folgen sollte. Leider war dort aber ein Ultra-Marathonlauf, so dass laute Musik dröhnte und der Aufenthalt nahe der Bergstation unerträglich war. Nach dem Spaziergang zum Gipfel musste ich dann singende Holländer ertragen. Eigentlich habe ich Ruhe gesucht, aber es war laut und ein wahrer Rummel. Immerhin beeindruckte die Aussicht auf die Viertausender der Berner Alpen und die bunten Wiesen doch sehr. Wir bekamen hier zum ersten Mal die hohen Preise der Schweiz zu kosten. 60SFR pro Nase für Berg- und Talfahrt sind schon wirklich viel, wenn man es mit ähnlichen Bahnen in den Alpen vergleicht.

Wir schlugen unser Zelt auf einem tollen Campingplatz in Wilderswil bei Interlaken auf. Der Platz bot eine Wahnsinnsaussicht auf das Jungfraumassiv. Überraschenderweise war der Zeltplatz nicht nur gut gelegen, sondern auch günstig.

Am nächsten Tag hatten wir eine Fahrt zum Jungfraujoch geplant. Und hier muss ich dann doch ausholen. Wir waren ja nun schon dort und wollten darum auch unbedingt hoch. Ich war sogar bereit den „günstigen“ Frühmorgentarif zum Preis von 145 SFR pro Person zu zahlen. Aber mal ehrlich: das ist viel zu teuer. Ich weiß nicht, ob den Schweizern das bewusst ist, aber ihr macht damit doch euren eigenen Tourismus kaputt, oder leitet ihn in eine Richtung, die nicht gut ist. Es fiel auf, dass so gut wie keine Schweizer in der Bahn saßen. Geschätzt 95% der Besucher sind aus Asien. Wenn man dann von Schweizern leicht fremdenfeindliche Sprüche zu hören bekommt wie: „Die sind wie die Ameisen.“, dann macht das schon einen eher schlechten Eindruck. Natürlich ist die Berglandschaft extrem beeindruckend und wunderschön, aber wenn man so derartrig hoch bepreist, dass nicht einmal Schweizer selbst mehr Lust auf eine Fahrt haben, dann würde ich ins Grübeln kommen. Wenn eine Familie 500Euro zahlen muss, dann kommen eben nur reiche Kunden aus Asien. Das wirklich tragische ist, dass das sogar gewollt zu sein scheint, denn die „Attraktionen“, die oben geboten werden sind dementsprechend. Wie gesagt: der Besuch ist wirklich toll und eigentlich auch zu empfehlen, aber irgendwie ist das drumherum und das Publikum nicht mein Ding. Ich will Ruhe, Entspannung, Augenschmaus und das bekommt man dort eben nicht in Kombination.

Am Abend genossen wir dann den ruhigen Besuch der Reichenbachfälle, mit einer zwar auch etwas teuren Bahn, aber weniger Rummel und mehr Ruhe.

 

Von Interlaken über Zermatt nach Südtirol

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Weil ich aber irgendwie nicht lernfähig bin, fuhren wir am nächsten Tag weiter nach Zermatt. Zermatt ist nur per Zug zu erreichen und ist ähnlich gut wie das Jungfraujoch touristisch erschlossen. Das Tal ist zugekleistert mit Bettenburgen, überall Kräne, überall Lärm. Aussicht auf das Matterhorn gibt es nur von wenigen Stellen – wenn man Glück hat, ohne Kran im Blick. Also ging es wieder rauf auf den Berg. Und hier wird dann schon klar, warum das Matterhorn der wohl bekannteste Berg der Schweiz ist. Der Anblick ist echt atemberaubend. Leider findet man auch hier keine Ruhe. Immerhin war ich jetzt mal dort.
Ich werde mir einen weiteren Besuch der Schweiz wirklich genau überlegen. Sicher wird es aber nicht mehr in die touristischen Ecken gehen.

Etwas ernüchtert ging es über den Simplonpass in das italienische Piemont. Kurzfristig haben wir eine wirklich total starke Unterkunft bekommen. Nach 2 Nächten im Zelt tat es gut, einfach ins Bett zu fallen. Das B&B Casa Brencio in Masera kann ich jedem ans Herz legen, der in schöner Umgebung wirklich gut unterkommen will und ein außergewöhnlich gutes Frühstück genießen will.

Über Locarno, Lugano und schließlich Sünders fuhren wir in Richtung Stilfserjoch. Serpentine um Serpentine um Serpentine klettert man nach oben und weicht Radlern und Motorradfahrern aus. Ein bisschen anstrengend ist die Fahrerei, aber wir wurden mit Aussicht auf die Ortlergruppe, Murmeltieren und vielen Pflanzen belohnt. Da es schon gegen Abend war, hielten wir nach der Überquerung auf einem Campingplatz in Latsch im schönen Vinschgau.

 

Tirol

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Den folgenden Tag fuhren wir auf die Seiser Alm. Die Alm ist unter anderem bekannt für die vielen Kohlröschen und das häufige Auftreten von Farbvarianten. Wir wurden in der Hinsicht absolut nicht enttäuscht. Auf der Wanderung von Compatsch über Puflatsch zur Arnika-Hütte sahen wir zig hellrote, dunkelrote, gemischte Kohlröschen. Leider waren wir wohl eine Woche zu spät und die Pflanzen sahen zumeist nicht mehr frisch aus. Das müsste man in einem anderen Jahr definitiv noch einmal wiederholen. Abartig wie bunt und wie artenreich die Alm ist. Und endlich hatten wir auch die gesuchte Ruhe. Es war zwar auch dort viel los, aber irgendwie verläuft sich das auf der riesigen Hochebene. Bemerkenswert, dass hier im Gegensatz zur Schweiz viele Familien unterwegs waren. Wundert aber auch nicht, kostet halt auch ein Bruchteil der Jungfraufahrt. Dabei ist der Blick auf Schlern und Langkofel jetzt auch nicht unbedingt schlecht.

Nach einer Nacht auf einem schönen Campingplatz unter der Brenner-Autobahn in Klausen besuchten wir das archäologische Museum in Bozen; natürlich hauptsächlich wegen Ötzi. Das Museum ist schon echt gut gemacht, aber irgendwie weiß ich nicht, ob man tote Menschen so ausstellen muss. Klar, für die Wissenschaft ist Ötzi unendlich wichtig und auch klar, dass Menschen neugierig sind und den Toten sehen wollen, aber trotzdem mag ich eine öffentliche Leichenschau nicht besonders. Nichts desto trotz: man kann eine Menge mitnehmen und es ist wirklich gut gemacht und spannend. Ich würde einen Besuch wirklich empfehlen.

Über mehrere Pässe ging es im Anschluss weiter zum letzten Stop der Reise, nämlich Obertilliach. Sehr kurzfristig buchten wir ein Zimmer in der Weberstube. Nachdem wir im Gasthof ankamen, wurde mir gesagt, dass das soeben gebuchte Zimmer gerade schon vergeben sei, aber dass man sich kümmern würde. Die Wirtin telefonierte kurz und tatsächlich: sie hatte eine Ferienwohnung für uns bei ihrere Schwester organisiert. Wir wurden also die 200m dorthin begleitet und bekamen eine wunderschöne, gemütliche Wohnung. Als ich fragte, ob wir im Dorf noch was zu essen bekämen, sagte die Schwester dann: „Ja in der Pizzeria, in der Weberstube, oder bei meinem Bruder gut bürgerlich.“ Wir gingen zum Bruder. Offensichtlich ein Familienbetrieb, der Ort 😉 Liebe Obertilliacher: ich verneige mich tief vor eurer Organisationsgabe und eurer Hilfsbereitschaft. Das war schon großer Sport. Bei euch fühlt man sich wohl, zu euch will man zurückkehren.

Am folgenden Tag fuhren wir mit der Seilbahn zum Golzentipp. Leider fing es schon gegen Mittag an, heftig zu Gewittern und wir kehrten ins Tal zurück. Wir hatten trotzdem unseren Spaß und dank Manfreds Tip habe ich auch endlich eine Dactylitella (berninaensis) gesehen.
Nach kurzer Beratung und checken des Wetterberichts machten wir uns schon gegen 14:00 auf den Heimweg. Natürlich nicht ohne Umweg. Diesmal fuhren wir über die Großglocknerstraße, die selbst bei schlechtem Wetter irgendwie echt geil ist. Wer aus dem Auto Unmengen von Kohlröschen bis 2600m Höhe sehen will und außerdem Murmeltiere mag, der ist hier richtig. Ohne größeren Umweg ging es dann durch gefühlt 100 Baustellen zurück heim.

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Spaziergang durch den Rabengrund

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Gegen Mittag besuchte ich heute den Rabengrund. Ziel waren die Waldhyazinthen. Eigentlich nur, um zu schauen, wie sie stehen, aber natürlich hatte ich auch die Kamera dabei. Leider hat man Mittags ein sehr bescheidenes Licht und die Pflanzen sind dieses Jahr nur spärlich erschienen. Überdies ist die Wiese, auf der die meisten Pflanzen stehen in einem erbärmlichen Zustand. Die vielen Besucher, die die Magerwiese als Hundeklo und -spielwiese verwenden, fordern ihren Tribut. Vermutlich wird eher die letzte Orchidee verschwinden, bevor dort etwas passiert. 

Andere Bereiche des Tals waren dafür in einem wunderbaren Hochsommeraspekt. Überall Schmetterlinge und Heuschrecken, die vor einem aufflogen und ein buntes Blütenmeer mit Wiesen-Storchschnabel, Ziest, Flockenblume, echtem Labkraut und Skabiosen.

Irgendwie genieße ich es trotz aller Widrigkeiten immer, dort zu sein.

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Sennetour

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Am Wochenende war ich zusammen mit 3 Bekannten aus dem Verein auf dem Truppenübungsplatz Senne. Natürlich war das Ziel eine lokale Orchideenpopulation, die Senne-Fingerwurz (Dactylorhiza sennia), die aber mittlerweile zur Torfmoos- Fingerwurz (Dactylorhiza sphagnicola) gezählt wird. Aber von Anfang an…

Die Tour ging Samstag vormittags früh für mich los. Um 7:30 wollte ich meinen Mietwagen abholen. Ich wurde mit der Aussage empfangen, dass es leider keinen Mietwagen in meiner Kategorie gebe, sondern ich einen Wagen aus einer höheren Kategorie nehmen müsse. Nach viel hin und her und nachdem ich mich beschwerte, dass mir 60 Euro Aufpreis für die zwei Tage schon ein wenig zu viel wären und ich auch keine Lust auf einen übermotorisierten BMW hätte, wurde mir dann ein Wagen aus einer billigeren Kategorie angeboten. Eigentlich eine Frechheit, dass man so bohren muss, damit man einen gebuchten Wagen zu einem versprochenen Kurs bekommt. Ja, manchmal bin ich renitent.

Gegen 8:00 konnte ich dann aber mit dem Mietwagen nach Hause aufbrechen, um das Gepäck zu verstauen. Eine echte Aufgabe für Ingenieure, Rucksack und Tasche in einem Opel Adam unterzubringen. Gegen 11:30 war ich dann bei Manfred in Osthessen. Für Samstag hatte er eine Exkursion in die Rhön geplant. Das Ziel war eine wunderschöne Hybride der Mücken-Händelwurz mit Fuchs‘-Fingerwurz. Im Hang standen sehr viele Händelwurzen und auch einige Fingerwurzen. Ein sehr schönes Biotop in eher durchschnittlichem Zustand. Die Hybride erwies sich aber als sehr fotogen und ich bin mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Im Anschluss ging es noch in die hohe Rhön, wo wir bei gewittrigen Bedingungen die Pseudorchis aufsuchten. Die prachtvollen Wiesen, die vielen Schmetterlinge. Ach die Rhön – immer wieder schön.
Obwohl ich dieses Jahr eigentlich nicht mehr kartieren wollte, konnte ich es dann doch nicht lassen, Daten aufzunehmen.

Sonntags war dann der eigentliche Exkursionstag. Früh brachen wir in Osthessen auf, denn wir mussten bei Kassel noch zwei weitere Teilnehmer mitnehmen und schon um 10 am Treffpunkt an der Senne sein. Etwas überrascht waren wir dann von der Masse der Teilnehmer. Sicher 20 Leute sollten teilnehmen. Nachdem wir die Verzichtserklärung unterzeichnet hatten, konnte es schon losgehen. Wir wurden durch den umgrenzenden Kiefernwald auf die Heidemoore geführt. Eine sehr spezielle Landschaft. Auf einer wasserundurchlässigen Schicht liegt eine Sandschicht. Der Boden ist sehr nährstoffarm und es hat sich ein sehr spezielles Ökosystem gebildet. Neben zwei Sonnentauarten und Wollgräsern wächst auch Gagelstrauch und Glockenheide. In den trockeneren Ecken geht es dann in Besenheide über. Gleich auf der ersten nassen Freifläche sahen wir dann auch schon die ersten Senne-Fingerwurzen. Zu meinem Erstaunen durften wir die Fläche sogar relativ frei betreten. Leider waren die Pflanzen schon fast durch – dennoch konnte ich ein paar schöne Eindrücke festhalten. Neben der besonderen Flora sahen wir auch Kreuzkröten, Waldeidechsen, Unmengen von Bläulingen, aber auch Wanderfalken, Wiesenpieper und Schwarzkehlchen. Leider zog sich die Exkursionsgruppe gegen Ende etwas auseinander, so dass ich nicht mitbekam, dass einer kleinen Gruppe noch ein frisches Vorkommen der Senne-Fingerwurz bei dem jetzt guten Wetter gezeigt wurde. Ein bisschen schade. Trotzdem war das ein besonderes Erlebnis in einem ungewöhnlichen Biotop. 

Auf dem Heimweg stoppten wir noch in zwei heimischen Biotopen, vielleicht auch um ein bisschen runterzukommen. 

Danke an Manfred für das Organisieren, danke an die Begleitung – das war wirklich schön – und natürlich auch danke an die Biologische Station Paderborn – Senne für die Führung und an das britische Militär, dass wir den TÜP überhaupt betreten durften.

 

P.S.: ich sollte mal anfangen, mit Taschenlampe oder Reflektor loszuziehen – Schattenbilder sind zwar besser, aber gut ist es auch nicht

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und die dritte Kartierungsexkursion

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Eigentlich habe ich dieses Jahr übertrieben viel kartiert und mehr mache ich dieses Jahr auch nicht mehr. Immerhin waren alle drei Aktionen irgendwie die Arbeit wert. 

Auch bei dieser Aktion gab es Besonderes: dieses Mal außergewöhnlich reichhaltige morio-, ustulata- und mascula-Vorkommen in der Nähe von Herborn. Und auch dieses Mal hatten wir viel Spaß beim Suchen und Erfassen in der Natur. 

Trotzdem mache ich nächstes Jahr eher wieder nur eine Kartierungsexkursion. 

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