Totalität

Nach der langen Anreise kamen wir schließlich in Alliance an. Die Stadt hatte sich auf das große Ereignis vorbereitet und alles wartete gespannt. Man konnte Vorträge anhören, es gab ein Pow-Wow und Live-Konzerte. Die Stimmung war gelöst und voller Vorfreude. Das befürchtete Verkehrs- und Einkaufschaos blieb aus. Das Wetter war super, wenn auch etwas heiß. Auf dem Zeltplatz wurden wir äußerst freundlich empfangen. In Ruhe erkundeten wir das Städtchen und sahen das Ende des Pow-Wows. Abends besuchten wir noch einen Vortrag über Lichtverschmutzung. So bekam man wenigstens ein bisschen was für die $105, die wir für den Zeltplatz bezahlt hatten, der in Wirklichkeit nur ein abgeerntetes Feld mit aufgestelltem Dixi-Klo war.

Tags darauf dann die Ernüchterung. Es herrscht hier normalerweise Dürre und man hat über 70% Chance auf einen komplett wolkenfreien Himmel. Tja… und dann wacht man auf, schaut aus dem Zelt und man hat eine Sichtweite von 100m und es nieselt leicht.
Aber wir waren recht früh wach und hatten noch viel Zeit und so berieten wir, was zu tun sei. Laut Wetter-App war das Wetter in Scottsbluff, etwa 50 Meilen westlich von Alliance, leicht besser. Schnell fassten wir den Entschluss, auf dem Highway 71 nach Westen zu fahren. Es waren ja noch 2 Stunden Zeit. Kurz hinter Hemingford klarte das Wetter schlagartig auf und es war bald keine Wolke mehr zu sehen.
Immer mehr Leute säumten mit aufgebauten Kameras und Ferngläsern die Straße, bis wir schließlich zu einem Baustellenparkplatz gelangten. Diesen Platz hatte ich bereits Wochen vorher als Ausweichort bei google maps ausgekundschaftet. Er lag fast direkt auf dem Zentrum der Zugbahn der Finsternis. Natürlich waren wir nicht die einzigen, die diese Idee hatten und der Parkplatz war schon reichlich voll. Wir quetschten uns dazu und bauten unsere Kameras auf.

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Als wir fertig waren hatten wir noch eine Stunde Zeit und die Warterei ging los. Dann plötzlich ein Raunen: der erste Kontakt. Pünktlich, wie vorausberechnet, begann der Mond die Sonne zu verschatten. Langsam schob sich der Mond vor die Sonne. Es wurde langsam etwas kühler und das Licht diffuser. Man hat viel Zeit, um Fotos zu
machen und mit der Brille die wachsende Verschattung der Sonne zu beobachten.

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Kurz vor dem zweiten Kontakt wurde es dann schlagartig finster und dann zeigte sich die Korona:
Unfassbar schön und schwer in Worte zu fassen. Ich brauchte einen Moment, um den Filter abzunehmen und die Kamera neu einzustellen. Die Totalität dauerte etwa 2:30 Minuten und wir waren davon bestimmt eine Minute am Fotografieren.

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Beim dritten Kontakt, als die Sonne sich wieder zeigte – zunächst mit den „Bailey’s Beads“ und dann mit dem „Diamond Ring“, brandete dann tatsächlich Jubel über die Baustelle. Ich selbst war total fertig vom Erlebten und brauchte etwas Zeit, bevor ich den Filter wieder befestigte, um weiter zu fotografieren.
Schnell löste sich die Menge auf- obwohl es ja immer noch etwas zu sehen gab. Nach etwa einer halben Stunde waren wir fast alleine auf dem Parkplatz immer noch tief bewegt. Wir blieben bis weit nach dem vierten Kontakt, als die Sonne wieder komplett aus dem Mondschatten getreten war.

Fotos des Verlaufs:

iPhone-Fotos

Bonusfotos

Eintönigkeit

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Auch wegen der langen Kälte habe ich das Gefühl, im Moment immer nur das Gleiche zu fotografieren. Hirsche und immer wieder Hirsche… die Versuche, bei klarem Himmel mal wieder Sterne zu fotografieren, ist nicht so recht geglückt. Ist hier auch nicht so irre leicht. Das soll keine Entschuldigung sein, dennoch ist es zuviel Aufwand für extrem niedrigen Ertrag.

Samstag Nacht bin ich also noch gegen 1 Uhr fotografieren gewesen. Nachdem ich den twitch-Stream eines Kollegen angeschaut hatte, brauchte ich das, um runter zu kommen. Das war wirklich ein schöner Tag und irgendwie wäre es ohne den nächtlichen Ausflug nicht komplett gewesen. Manchmal habe ich ja so fixe Ideen.

Sonntags früh bin ich dann eine Stunde vor Sonnenaufgang schon wieder losgefahren. Mir fiel nichts besseres ein, als noch einmal zu den Hirschen zu fahren. Im Nachhinein hätte ich vielleicht besser Aufnahmen der Städte MZ oder WI gemacht. Sieht bei der Kälte auch sehr schick aus. Stattdessen eben nochmal bei -10°C zu den Hirschen.

Wieder schönes Licht, wieder waren die Hirsche sehr kooperativ, aber irgendwie ist es dann doch immer ähnlich. Nächstes Mal dann wirklich was anderes, wenn es so kalt bleibt. Ich könnte mich an Feldhasen oder so versuchen, oder wirklich mal Stadtsilouetten.

P.S.: wirklich sehr unterhaltsam, der Stream

Wochenende in Island

Gestern sind wir zurückgekehrt vom langen Wochenende in Island. Schön wars wieder, wenn auch nicht durchgängig.
Für das eigentliche Ziel, die Polarlichter, war die Zeit eher ungünstig gewählt. Kein Glück mit der Sonne, kein koronales Loch und kein koronaler Massenauswurf der Sonne. Dennoch war insbesondere der Samstag super.
Aber von Vorne: Verena bekam überraschend Urlaub verordnet, da sie zuviel Tage angesammelt hatte und so beschlossen wir, das Beste draus zu machen und kurz nach Norden zu verschwinden. Im Herbst und Winter ist Island vergleichsweise günstig erreichbar und so buchten wir kurzentschlossen den Urlaub.
Donnerstags lief nach der Anreise nicht mehr viel. Ein langer Spaziergang durch Reykjavik und dann fielen wir ins Bett.
Freitags war aufgrund des Wetters ein langsamer Tag. Es gab für den Süden sogar eine Unwetterwarnung vor Starkregen und Wind. Wenn man das Wetter in Island kennt, dann versteht man, warum wir nicht viel unternahmen. Verena wollte sich eine Strickjacke kaufen und sie wollte unbedingt Wale beobachten fahren.
Die Ausfahrt war ein totaler Flop. Kalt, Schneeregen, starker Wind und keine Sichtungen für mich. So ist das eben manchmal. Danach waren wir noch was essen und leider war es dann zu spät, um noch Baden zu gehen, also haben wir es mit Polarlichtern versucht. Garnicht so leicht bei Mond und Wolken. Laut Wettervorhersage sollten die Wolken bei Borgarnes dünner sein und die Polarlichter aktiv. In den 90 Minuten, die wir fuhren wurde aber die sowohl die Wolkendecke dichter und die Aktivität (zumindest laut isländischem Wetterdienst) herabgestuft. spaceweather.com war ja das ganze Wochenende skeptisch, was Aktivität anbelangt.
In Borgarnes wollten wir dann umkehren, entschieden uns dann aber doch noch abzuwarten. Tatsächlich konnten wir dann doch noch leichte Aktivität beobachten. Bei Mondlicht sieht es aber irgendwie milchig, trübe wie Nebel aus. Erst auf Fotos kommt es gut rüber. Leider haben wir aufgrund der Aussichten den Weg nicht wie geplant zum Hraunfossar gemacht.
Bis dahin war der Trip also eher Durchschnitt. Samstags entschädigte dann aber für alles. Ich habe wohl noch NIE so gutes Licht für Fotos gehabt. Den ganzen Tag Sonne und windstill. Wir sind dann tatsächlich bis zur Gletscherlagune gedüst und haben dort und auch unterwegs dann das Licht genossen. Die Gletscherlagune hat mich einigermaßen überfordert. Ich wusste gar nicht, wo ich hinschauen sollte und was man fotografieren sollte. So viele bizarre Formen, so viele Motive. Auch der Strand war toll. Überall angespülte Eisberge und glitzernde Eisbrocken. Wunderbar, wirklich! Danach wusste ich, warum alle Fotografen Island lieben.
Abends auf dem Rückweg sahen wir kurz vor dem Seljalandsfoss bei der Autofahrt wieder Polarlichter. Da der Mond eben noch nicht aufgegangen war, war es dann auch deutlich besser zu sehen. Ich hatte dann die Idee, dort am Seljalandsfoss Polarlichter zu fotografieren. Meine Idee war, durch den Wasserschleier zu knipsen. Tja: hier hat mich der Massentourismus dann  leider eingeholt. Der Wasserfall war mit hellen Scheinwerfern angestrahlt, keine Chance auf gute Aufnahmen von hinter dem Wasserfall auf die Aurora. Außerdem wurden dort Busladungen von Menschen abgeworfen. Schade! Wir sind dann zurück zum Hotel gefahren, gezwungenermaßen – der Flieger ging um 7Uhr. Trotzdem ein wundervoller Tag.
Fazit, oder meine naive Sicht auf Island:
1. Isländer sind manchmal komisch: Wale fressen, aber vegane Seife benutzen.
2. Nicht über das Wetter motzen. Ein Islandtrip ist erst vorbei, wenn dir das Land perfektes Licht geboten hat.
3. Punkt 22:00 werden die Polarlichter angeschaltet. Aus Kostengründen meist aber nur bis 22:30.
4. Wann darf ich wieder hin? Scheiße, das Land macht süchtig. 🙁