Japan 2008 – 2

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Kanazawa

Von meiner Japanischlehrerin wurde mir besonders Kanazawa als Geheimtip ans Herz gelegt. Bei Japanern ist Kanazawa recht beliebt, aber ausländische Touristen gibt es hier wegen der schlechten Erreichbarkeit kaum. Kanazawa liegt am Meer nördlich von Tokyo. Die Reise geht durch die beeindruckenden japanischen Alpen. Nach 1 Stunde im Shinkansen steigt man in Echigo Yuzawa in wundervollem Gebirgspanorama dann in den Bummelzug. Dieser Zug braucht ca. 4 Stunden bis Kanazawa. Für japanische Verhältnisse ist das ewig für die Entfernung.

Dieser Tip erwies sich als absolutes Highlight. Kanazawa ist eine recht kleine Stadt, die aber komplett erhaltene Altstadtviertel und einen wundervollen Garten (den Kenrokuen) besitzt. Für mich war ein Besuch dieses Parks das absolute Highlight dieser Reise.

Da das Wetter tagsüber nicht so besonders gut war in Kanazawa, entschloss ich mich Nachts Bilder in der Altstadt zu machen. Dabei kam ich am Kenrokuen (besagtem Park) vorbei und wunderte mich, wieviel dort abends los war. Ich entschied mich also dazu, den vielen Menschen zu folgen. Ein weiterer riesiger Glücksfall, denn was mich dann dort erwartete ließ meinen Atem stocken. Yozakura – Kirschblüte nachts. Wer die Möglichkeit hat, zur Kirschblüte nach Japan zu kommen, darf das nicht verpassen. Ich kann es nicht in Worte fassen. Ich versuche es mit Bildern, aber gerecht wird es der Sache vermutlich nicht. Ich bekomme beim Gedanken an diese Nacht, die friedliche, harmonische Stimmung immer noch feuchte Augen. Und witzigerweise war das Wetter auch wieder gut. Pure Magie.
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Für mich der glücklichste Zufall auf der Reise.

Am Tag darauf folgte der Kehraus bei einem erneuten Besuch des Gartens. Die Magie war vergangen und der Regen war wieder da. Trotzdem werden mich die Eindrücke dieser Nacht nie wieder loslassen.
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Ein letzter Blick auf das Schloss von Kanazawa (Kanazawa-Jo).
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Wieder Tokyo

Am nächsten Abend kam ich erschöpft zurück nach Tokyo. Nach dem ultramodernen Viertel Shiodome hatte ich für die folgenden Tage ein Ryokan in Asakusa gebucht. Asakusa ist ein alter Teil Tokyos mit großen Tempelanlagen.
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Von dort machte ich mich am nächsten morgen extrem früh auf in Richtung Fischmarkt (obwohl das von Shiodome fast schon zu Fuß erreichbar gewesen wäre). Der Fischmarkt dort ist einfach nur beeindruckend. Es gibt Fische in allen Formen und Farben. Wenn man gerne fotografiert, dann ist das so etwas wie das Paradies. Allerdings sollte man aufpassen, denn die Japaner dort kümmern sich nicht um Fotografen, sondern rasen mit kleinen Wagen durch die Gänge.
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Wer mag sollte dort in der Nähe Sushi essen. Angeblich das beste der Welt.

 

Fuji-San

Da es noch früh am Tag war und das Wetter wiederum nicht so toll, entschloss ich mich recht spontan zu einem Ausflug nach Kawaguchiko zum Fuji-San. Eigentlich eine sehr dumme Idee, denn einerseits war ich in der völlig falschen Ecke von Tokyo und andererseits sieht man bei schlechtem Wetter genau garnichts von dem Berg. Die Japaner sagen, dass der Fuji-san ein sehr schüchterner Berg ist und sich nicht gerne zeigt. Bei mir hat er sich aber sowas von entblößt und die Sonne strahlte nur so. Der Fuji-san ist ein wirklich erhabener Berg. Wundervoll. Man kann sich kaum satt sehen. Auf meiner Wanderung um den nahegelegenen See habe ich diese Aussicht gehabt.
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Naruko

Nach dem übervollen und stressigen Tokyo plante ich nach Norden zu fahren. Dort wollte ich Matsushima und Naruko sehen.

Über Sendai ging es mit einem Bummelzug in Richtung Naruko. Naruko ist ein kleiner Badeort in sehr idyllischer Umgebung. Berühmt ist der Ort neben der heißen Quellen auch für die Schlucht und die Kokeshi-Holzpuppen. Das absolute Kontrastprogramm zu Tokyo jedenfalls. Westliche Touristen sind hier Fehlanzeige. Ich war recht zeitig in Naruko und ließ mich mit einem Taxi zum Kanketsu-Geysir fahren. Vermutlich wäre es besser gewesen, sich vorher zu erkundigen, denn es fährt auch ein Bus, wie mir der Taxifahrer kurz vor dem Ankommen erzählte. Die Fahrt kostete ca. 30EUR. Der Geysir dort ist auch bei weitem nicht so spektakulär, wie die Geysire auf Island, aber immerhin schonmal ohne Rummel wie in Beppu. Ca. alle 30 Minuten schießt ein Wasser- und Dampfstrahl über 10 Meter hoch. Anders als in Island dauert die Eruption aber gute 2-3 Minuten.
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Weil ich was gelernt hatte, fuhr ich danach mit dem Bus zurück nach Naruko. Von dort wollte ich dann am gleichen Tag noch die Naruko-Kyo Schlucht erwandern. Ich brach also in Richtung des Tales auf. Leider war die Schlucht wegen Schnees noch geschlossen und der Weg versperrt. Da ich aber nun schon da war, ging ich die nahe Straße entlang und versuchte immer wieder Blicke in die Schlucht zu erhaschen.
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Allerdings habe ich mich dabei ein bisschen mit der Zeit vertan. Nach gefühlten 10km dachte ich, dass jetzt doch bald der Ort am Ausgang der Schlucht kommen müsste. Zum Umkehren war mir nicht mehr zu Mute. Schließlich kam ich nach sehr langem Marsch in das Nest Nakayamadaira-Onsen. Dort gab es einen winzigen Bahnhof mit Haltestelle. Da es zwischenzeitlich ziemlich kalt und dunkel wurde und auch niemand mehr unterwegs war, war ich sehr glücklich, als schließlich ein Schienenbus kam und ich via Naruko und Sendai dann nach Matsushima fuhr. Insgesamt muss ich sagen, dass ich wohl zur falschen Zeit und mit zu wenig Zeit nach Naruko gereist bin. Die Gegend lädt zum Wandern ein und ist sicher zur Blattfärbung einmalig schön.

 

Matsushima

Da es schon finster war, als ich in Matsushima ankam konnte ich die berühmten Kieferninseln nicht mehr gut sehen und musste bis zum Morgen warten. Leider entgingen mir wohl sehr gute Bilder, denn der Abend war an der Küste wohl zumindest klar.
Am nächsten morgen war das Wetter sehr trübe. Das Meer war aber spiegelglatt. Ich machte also eine Ausfahrt mit einem der zahlreichen Ausflugsschiffe. Obwohl ich erst sehr enttäuscht war, dass das Wetter so bescheiden war, erlebte ich eine Überraschung, denn offensichtlich ist das genau das Wetter, was man haben will. Die Inseln scheinen im Nichts zu schweben. Man kann keinen Horizont ausmachen. Der Pazifik machte seinem Namen alle Ehre und war friedlich. Die Inseln sahen aus wie gemalt – sehr klischeehaft japanisch und wunderschön.
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Alles in allem war der Norden sehr viel beschaulicher. Die Vielfalt in Japan beeindruckte mich wirklich. Allerdings sollte man sich manchmal vielleicht doch mehr Zeit lassen, als ein Wochenende.

 

Osaka

Nach dem Tag an der Küste bei Matsushima im Norden Honshus ging es wieder zurück nach Süden via Tokyo in Richtung Kansai.
Ich übernachtete in Osaka. Osaka empfand ich von den japanischen Großstädten als die angenehmste. Es ist nicht so abartig voll wie Tokyo und dennoch ist sehr viel los. Außerdem scheinen die Leute freundlicher und offener zu sein. In Tokyo wirken die Menschen eher gehetzt und weisen einen schnell ab. Der Stadtteil Dotonbori erinnert mit seinen riesigen Reklametafeln an Bladerunner und lässt Orte wie den Timesquare in meiner Erinnerung ziemlich blass aussehen. Jedenfalls ein riesiger Kontrast zu dem beschaulichen Leben in Miyagi.
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Himeji

Am nächsten Tag fuhr ich nach Himeji. Von Osaka erreicht man das in einer halben Stunde mit dem Shinkansen. Himeji hat eines der schönsten Schlösser Japans, wenn nicht das schönste. Die Anlage ist wirklich sehr beeindruckend. Wenn man die Möglichkeit hat, sollte man sich das nicht entgehen lassen. Leider werden meine Bilder der Pracht nicht besonders gut gerecht.
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Nach einigen Stunden in Himeji fuhr ich zurück nach Osaka und verbrachte dort den Rest des Tages. (ich kann das Schloss dort nur bedingt empfehlen, aber das Aquarium ist wirklich top)

 

Nara

Am nächsten Morgen gings dann weiter nach Nara. Auch Nara ist nur etwa eine halbe Stunde von Osaka entfernt. Anders als Himeji muss man in Nara aber mehrere Tage verbringen. Es gibt einfach zuviel zu sehen. Die Stadt ist voller Tempelanlagen und bietet wunderbare Aussichten. Ein absolutes Muss für Japanreisende. Außerdem hat es für Huftierfreunde eine besondere Attraktion, nämlich die vielen Hirsche (Sika / Shika). Die Hirsche sind aber mit ein bisschen Vorsicht zu genießen. Sie sind extrem aufdringlich und betteln sehr aggressiv. Nach mir hat ein Hirsch gebissen, weil er an die Kekse wollte, die ich in der Hand hatte. Gottseidank hat er nur Klamotten erwischt. Die Viecher wissen genau, wo sie betteln müssen. Hier steht einer an einem Schild für Hirschkekse. Offensichtlich hungrig.

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Touristisches Highlight in Nara ist der Daibutsuden. Das Daibutsuden ist das größte Holzhaus der Welt. Es enthält unter anderem eine riesige Buddhastatue.

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Ich hatte in Nara wirklich wunderbare Tage. Die Bilder von dort würden vermutlich für einen eigenen Bericht reichen.

Ich war überzeugt, dass Nara in Sachen Tempelanlagen schwer zu überbieten sein müsse. Mein nächstes Ziel belehrte mich aber eines besseren. Es geht mehr, größer, beeindruckender und schöner. Von Nara ging es nämlich nach Kyoto.

 

Kyoto

Beim Ankommen war ich zunächst ernüchtert. Ich hatte viel über Kyoto gelesen. Der Bahnhof ist in postmoderner Architektur gehalten und das ganze Viertel erinnert mit seinem Charme an das Ost-Berlin der Achtziger. Ich war wirklich einigermaßen verwirrt. Die Verwirrung legte sich, als ich anfing zu Bus und Fuß die Stadt zu erkunden. Außerhalb vom Stadtzentrum ist Kyoto wirklich bezaubernd schön. Vermutlich kann man mehrere Wochen in Kyoto verbringen und wird immer noch neues entdecken.

Ich machte noch am gleichen Tag einen Ausflug nach Amanohashidate, dem dritten Nihon-Sankei (drei schönsten Ausblicke/Landschaften), der sogenannten Himmelsbrücke.
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Mein erster Ausflug in Kyoto selbst führte mich dann bei sehr bescheidenem Wetter hinauf zum Kyomizudera.
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Das frische Grün und die Atmosphäre dort war wirklich toll. Im Hintergrund links erkennt man den Kyoto-Tower, der im hässlichen Stadtzentrum steht.

Auch das ist Kyoto: Zwei Geishas in einem Bambushain.
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Etwas näher am Zentrum liegt der Heian-Jingu. Dies ist auch eine sehr beeindruckende Anlage mit einem wundervollen Garten.
Hier ein Bild der Anlage:
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und ein Bild des Gartens, der schon fast irreal wirkt. (nein das ist kein HDR)
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Das letzte Bild, was ich in Kyoto gemacht habe ist dieses hier:
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Unmittelbar nach dem Besuch des Kinkakuji, der auf dem Bild ist, fuhr ich mit dem Bus zurück an den Bahnhof, sammelte das Gepäck vom Schließfach ein, fuhr mit dem Zug zum Flughafen bei Osaka und es ging heim.

Der Besuch von Japan hat mich wirklich verzaubert und hat mir einige der schönsten Erinnerungen meines Lebens beschert.

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