Monat der Bärte

Wie eigentlich jeden Oktober in den letzten Jahren, fotografiere ich gerne die Pilze in den Wäldern der Umgebung. So fahre ich zum Beispiel nach Heidenrod, weil ich dort eine Stelle mit ästigem Stachelbart kenne. Leider wurde der Fundort zerstört und auch dieses Jahr erschienen keine Fruchtkörper. Aber zu meiner Überraschung habe ich in der Nähe eine Stelle gefunden, wo drei(!) Stachelbartarten wachsen. Beim ersten Besuch fand ich nur den dornigen Stachelbart, beim zweiten fand ich dann noch den ästigen Stachelbart direkt in der Nähe und beim dritten Besuch mit meiner Mutter fand sie weitere ästige Stachelbärte und junge Igel-Stachelbärte. Wie komplett verrückt das war.
Darüber hinaus ist der Wald voller Buchen-Schleimrüblinge. Die vielen Pilze und die Ästhetik des Verfalls in diesem Wald begeistern mich dieses Jahr sehr.
Tja und dann bekam ich den Hinweis, dass der Widerbart erneut spät blüht. Wie komplett irre das ist, muss ich niemandem erzählen. Zwar steht nur eine Pflanze dort in Blüte, aber selbst das ist wirklich außergewöhnlich. Mich hat es sehr gefreut und ich musste es natürlich auch festhalten.

Epipactisausflüge im Juli

Im Juli unternahm ich einige Ausflüge zu den späten Epipactisarten in der weiteren Umgebung.So suchte ich die Epipactis leptochila und Eipactis purpurata im Taunus, und die Epipactis leptochila und Epipactis neglecta in der Rhön. Insbesondere letztere hatte ich bisher nie in gutem Zustand gesehen. Ich war begeistert von den schönen Pflanzen und den Wuchsorten. Besonders die Rhön hat mich wieder total geplättet, was Anzahl der Pflanzen und natürlich was die Landschaft angebelangt.

Tja… und ich mag auch die Fotos.

Wieder ein kurzes Wochenende in den Ostalpen


Zwar zehn Tage früher als letztes Jahr, aber wieder zu spät. Das gibts doch garnicht!

Anfang Juli war ich wieder in Österreich, um Kohlröschen am Trenchtling zu suchen. Wieder war es großartig, aber wieder war ich ein bisschen zu spät für einen guten Blühzustand. Aber ich will mich nicht beklagen, denn es gab wieder so viel Schönes zu entdecken und außerdem habe ich jetzt eine Ausrede, noch einmal dort hochzulaufen.

Und noch besser: am nächsten Tag ergab sich mehr oder weniger zufällig und kurzfristig noch eine Tour mit Manfred. Das ist ja sowieso immer mega und diesmal zeigte er mir die für mich neue Nockalm. Wie irre ist die Landschaft dort eigentlich? Schottland auf Steroiden und voller Orchideen! Danke nochmal Manfred!

Orchideen im April

Endlich ist die Saison da und endlich kann ich unbeschwert von Krankheit und Ehrenamt ins Gelände. Es klingt vielleicht doof, aber es ist ein Unterschied, wenn man nicht ständig daran denkt, wie man jetzt die Pflanzen erfasst. Wie auch immer: es macht wieder richtig Spaß. Auch wenn einige niederschlagende Erlebnisse dabei waren. So ist zum Beispiel mein Lieblingsbiotop im Goldsteintal nachhaltig zerstört. Das beste Brand-Knabenkrautbiotop in Hessen und das einzige mit Farbvarianten. Das war natürlich harter Tobak, aber es gab auch schöne Erlebnisse – wie zum Beispiel der Ausflug auf die schwäbische Alb.

Saure Gurken Zeit

Es ist Hochsommer, die Natur ächzt unter den letzten heißen Tagen. Diese Zeit ist für mich fotografisch die am wenigsten spannende. Tagsüber ist fotografieren nahezu unmöglich, abends wird man von Stechmücken aufgefressen und morgens… ja, morgens geht zwar immer, aber man muss eben so früh raus.

In diesem Jahr blüht die Herbst-Drehwurz, die hier normalerweise erst Anfang September zur Hochblüte gelangt schon mitten im August. Leider gab es diesmal nur wenig Morgentau bei meinem frühen Ausflug, aber dafür reichlich Exemplare.

Auch die Stoppelfelder mit den Hasen sind jetzt ein schönes Ziel, aber gerade in der Vogelwelt ist momentan alles ruhig. Sommerloch eben.

Kurztrip nach Österreich

Sehr kurzfristig hatte ich die Idee, ein langes Wochenende nach Österreich zu fahren. Ein bisschen auf den Spuren der Tour von 2013 mit Joachim besuchte ich den Trenchtling.

Donnerstags fuhr ich von Wiesbaden aus ins Chiemgau. Dort traf ich mich abends mit berni und wir unternahmen einen Spaziergang am Chiemsee. Kurz vor einem Regenschutt konnten wir in schönem Licht noch Fotos der Sommer-Drehwurz machen.

Der nächste Tag begann für mich mit einem kurzen Spaziergang an der Kampenwand, den ich aber wieder wegen Regens und Wind abbrach. Im strömenden Regen und Gewitter fuhr ich die Strecke vom Chiemgau bis Leoben, wo ich ein sehr günstiges Hotel gebucht hatte. Komplett gerädert von der anstrengenden Fahrt fiel ich ins Bett. Am nächsten Morgen stand ich schon um 4 Uhr auf, um dem Wetter ein Schnippchen zu schlagen. Vor 6 Uhr war ich schon am Wanderparkplatz am Gasthaus zum Hiaslegg. Toll, dass dort jetzt ein richtiger Parkplatz ist. Das Tagesticket kostet 4€ ist also nicht der Rede wert. Ich war bei gutem Wetter in Leoben losgefahren, aber hier oben regnete es stark. Ich beschloss trotzdem loszugehen und wenn das Wetter so bliebe, eben nicht oben in die exponierten Almwiesen aufzusteigen.
Auf halbem Weg allerdings hörte der Regen auf und schließlich kam sogar die Sonne raus. Gegen 8 Uhr war ich bereits auf dem Edelweißboden angekommen. Himmlische Ruhe in einem wahren Blütenmeer. Sogar zwei Gämsen sah ich vor mir am Weg. Leider war von den Kohlröschen zunächst nichts mehr zu sehen. Nach ein bisschen Nachsuche mit dem Teleobjektiv sah ich allerdings abgeblühte Nigritella minor. Tja… jetzt habe ich sie knospend und abgeblüht gesehen. Ich glaube, ich muss nochmal 10 Tage früher hin. Irgendwie dachte ich, ich müsse wenigstens ein paar Edelweiß fotografieren und beim Fotografieren entdeckte ich durch Zufall ohne Ende Chamorchis. Das war die Sahne auf dem Erlebnis.
Ich ging aber, anders als damals mit Joachim den Berg weiter hoch und fand auch rote Kohlröschen, aber ich bin einfach ein bisschen zu doof, die zu bestimmen. Auf dem Rückweg fand ich auch noch schwarze. Ich vermute sowohl N. austriaca als auch rhellicani, aber das ist mir irgendwie nicht mehr so wichtig. Die Prachtexemplare machten mich einfach nur glücklich.
Gegen 9:30 riss mich ein nerviges Surren aus meinen Tagträumen… tatsächlich: jemand flog eine Drohne. Ich kann gar nicht sagen, wie störend das ist, wenn man gerade so die Ruhe und die Berge genießt und dann von einer Drohne angeflogen wird. Leute… fliegt die doch irgendwo, wo es nicht stört. Klar, ich weiß… die Bilder sind so toll für Insta und so. Mir war es aber zu viel und ich brach zum Rückweg auf. Mittlerweile zog sich das Wetter auch wieder zu und tatsächlich kamen mir dann auch die ersten Wanderer entgegen.
Zurück am Parkplatz stärkte ich mich in der Wirtschaft und fuhr dann runter zum grünen See. Zu meinem großen Entsetzen ist der See leider gekippt. Statt türkis erstrahlt er in algengrün. Wie schade! Wundert aber nicht, wenn Kinder große Steine ins Wasser werfen und die Hunde durch den See rennen. Immerhin fand ich an den Wegen viele Goodyera repens. Dieses Jahr auch eine Premiere für mich.

Am nächsten Tag fuhr ich schon zurück nach München, wo ich mich erneut mit berni traf. Er hat in der Nähe seiner Wohnung einen Unkenspot, den wir besuchten. Tatsächlich fanden wir auch reichlich Unken. Nach einer ausgiebigen Fotosession und einem grandiosen Abendessen beschlossen wir, noch einen Wechselkrötenspot zu besuchen. Als wir ankamen, war außer Quappen nichts zu sehen. Etwas frustriert klapperten wir noch weitere Pfützen ab – überall Fehlanzeige. Da es dunkel wurde, drehten wir um und kamen wieder am ersten Spot an und dort war dann die Hölle los. Die Pfützen wimmelten förmlich und die Kröten quakten in einer unverschämten Lautstärke. Sie ließen sich auch nicht von uns stören. Natürlich war das Licht schon reichlich knapp, aber trotzdem konnten wir noch ein paar Fotos machen.

Montags ging es dann nach einen kurzen Umweg zur Pupplinger Au zurück nach Wiesbaden.

USA ’24 6/6 Rückweg

Von Tennessee fuhren wir weiter in Richtung Südwesten. Die Idee war, auf jeden Fall noch Atlanta hinter uns zu lassen, um den Berufsverkehr am Morgen zu vermeiden. Wir suchten uns in der Nähe des Flughafens dann ein Motel und fielen total erschöpft in die Kissen.

Alabama

Am nächsten Morgen ging es weiter nach Alabama. Wir wollten einen kurzen Stopp an einem Strandauf Dauphin Island an der Küste des Golfs von Mexiko einlegen. Das gestaltete sich allerdings sehr schwierig. Wir hatten massive Probleme die App zum Buchen des Parkplatzes zu installieren. Die App war geogeblockt und weder Kreditkarte noch Cash wurde am Parkplatz akzeptiert. Wir haben dann mithilfe eines VPN die App installieren können, dort wurde dann aber wiederum unsere Kreditkarte nicht akzeptiert. Wir dachten, dass dort nur Touristen aus den USA erwünscht, aber die Dame, die den Parkplatz bewachte, machte den Besuch dann doch möglich. Wir bekamen hier die typische Südstaatenfreundlichkeit zu spüren und waren sehr dankbar und glücklich. Der Strand war tatsächlich sehr schön und es tat sehr gut, sich dort die Beine zu vertreten.

Noch am gleichen Tag ging es aber weiter. Durch Mississippi ging es in Richtung Westen. Leider hielten wir nicht länger in Mississippi und ich vermute, wir taten dem Bundesstaat unrecht. Vom Auto aus sah ich am Straßenrand öfter Schlauchpflanzen, aber leider konnten wir dort nicht anhalten.

New Orleans

Abends kamen wir in New Orleans an. Wir unternahmen einen Spaziergang durch das French Quarter. Die Kamera nahm ich nicht mit, sondern machte nur Fotos mit dem iphone. New Orleans hat hier einen ganz eigenen Charme. Wir sind ja eigentlich nicht mehr so die Fans von Städtetouren, aber New Orleans fanden wir beide sehr sehenswert.
Am nächsten Tag besuchten wir den Friedhof „St. Louis Cemetery #1“, Congo Square und Louis Armstrong Park.

Rockport, Texas

Am frühen Nachmittag ging es schon weiter und wir kamen spät am Abend dann in Rockport an, wo wir noch einmal Vögel beobachten wollten. Ich hatte von dem Ort einmal in Jeff’s Livestreams gehört. Gustavo hatte das im Zusammenhang mit Kolibris erwähnt und nach einiger Recherche wurde uns bewusst, dass es dort sehr viel mehr geben müsste. Bevor wir ins Bett gingen, packten wir noch die Campingsachen zusammen – wir würden sie für diesen Urlaub nicht mehr brauchen. Am nächsten Morgen ging es zum Rockport Beach, wo wir Vögel beobachteten und wir wurden nicht enttäuscht. Zu unserer großen Freude sahen wir diesmal auch Löffler und sogar Skimmer. Leider war das Wetter morgens grau in grau und so entstanden keine guten Fotos. Vom Strand aus ging es zu einem Park, wo wir zwar auch Vögel beobachteten, aber für uns war das Beste, dass wir ein Opossum aus der Nähe sahen. Ich war komplett schockverliebt in das übertrieben niedliche Tier. Kurz fuhren wir auf einen Tipp hin noch auf die Harbor Island. Vögel sahen wir dort nicht viel, aber zu meiner Überraschung wieder Orchideen. Und zwar massenhaft. Spiranthes vernalis war also die fünfte Art, die wir auf dem Trip in Blüte gesehen haben.

Noch einmal Hillcountry

Von der Golfküste ging es dann wieder zurück in Richtung Hillcountry. Bereits am Anfang der Tour hatten wir einen Besuch des Fledermausflugs an der Rio Frio Cave gebucht und so fuhren wir zu den Fledermäusen und verbrachten wir die vorletzte Nacht in Uvalde. Ein absolut irres Erlebnis und ein Muss für Besucher des Hill Country. 10 Millionen Fledermäuse verlassen in einem stundenlangen Strom die Höhle. Man lernt dort viel über die Fledermäuse, wie sie leben und ihre Feinde und natürlich auch über die Gefahren, die von ihnen ausgehen können. So erklärte uns der Guide, dass ein guter Teil der Tiere den Tollwut-Erreger in sich trägt.
Staunend beobachteten wir die Fledermäuse und als die Dämmerung fortschritt, sahen wir sogar, wie ein Raubvogel die Fledermäuse jagte. Als wir nach zwei Stunden aufbrachen, waren immer noch nicht alle Fledermäuse aus der Höhle heraus.
Von Uvalde ging es am nächsten Tag durch das Texas Hillcountry zurück nach Dallas. Einen kurzen Stopp legten wir am Guadalupe River State Park ein. Leider bekamen wir kein Gürteltier zu Gesicht, aber wir sahen wieder Painted Buntings und einen Wahnsinn an Wildblumen. Wie zuvor schon erwähnt: die Stateparks in Texas sind Klasse.

Am nächsten Tag ging es dann komplett erschöpft und wetterbedingt mit einiger Verspätung von Dallas zurück nach Frankfurt.
Während wir im Flughafen saßen, kam ein starkes Unwetter mit Hagel und Starkregen auf uns herunter.
Wir hatten aber doch massives Glück: Ungefähr 50Meilen von uns entfernt zerstörte ein Tornado einige Häuser.

Wie soll man ein Resümee zu dem Urlaub ziehen. Wir haben viel zu viel im Auto gesessen. Natürlich lag das hauptsächlich daran, dass wir Pech hatten mit dem Wetter bei der Sonnenfinsternis und ewig weit nach Norden auswichen. So stellten wir die Route in kurzer Zeit komplett um. Im Endeffekt war die Route mehr als 2000 Meilen weiter als ursprünglich geplant. Insgesamt waren es 7000 Meilen. Natürlich geht das prinzipiell, aber es ist grenzwertig.
Trotzdem war der Urlaub ein Highlight: die Masse an Orten, Menschen und Tieren, die wir getroffen haben, die Sonnenfinsternis, das Treffen mit Jeff… es war trotz der vielen Fahrerei eine perfekte Reise.