Zwischen den Jahren nach Paderborn

Nach dem Besuch der Verwandtschaft in Unna fuhr ich gemeinsam mit Verena nach Paderborn. Wir hatten gehört, dass man dort in der kalten Jahreszeit sehr einfach Eisvögel beobachten könnte und das war Anlass genug für uns, die Stadt zu besuchen.

Wir kamen also spät abends in Paderborn an und ich beschloss noch ein wenig die Stadt zu erkunden. Es wurde aus mehreren Gründen aber etwas länger. Schon bald machte ich Ecken aus, die sich für Vogelbeobachtung lohnen könnten. Besonders die Wege in Richtung Paderauen erschienen mir interessant. Aus Neugier lief ich nach dem Besuch des Paderquellgebiets auch am Dom vorbei und durch die Altstadt. Tatsächlich finde ich die Altstadt sehr sehenswert. Ich wusste vorher nicht, wie alt und geschichtsträchtig die Stadt ist. Mein Vorurteil „Kaff“ wurde schon beim ersten Gang widerlegt. Überhaupt hat Paderborn ein ganz eigenes Flair mit den vielen Quellen und dem vielen Wasser im Stadtkern.

Direkt am ersten Morgen gingen wir bei Sonnenaufgang zu den Stellen, die ich für Wasseramseln geeignet hielt. Leider war das Licht noch dürftig, aber trotzdem sahen wir die Wasseramsel im schnellen Wasser nach Krebschen fischen. Ich habe noch nie eine Wasseramsel derart entspannt aus dieser Nähe beobachten können. Das ist absolut außergewöhnlich. Wir hielten uns natürlich auf dem Weg auf und nach ihrem Fischzug belohnte die Wasseramsel uns dafür noch damit, dass sie auf einen Stein in unsere Richtung flog und sich dort putzte.

Nach diesem Wasseramselerlebnis liefen wir zum Paderquellgebiet. Schon auf dem Weg dorthin sahen wir den ersten Eisvogel. Richtig wild wurde es aber in der Nähe der Waschweiber. Nicht nur zwei Eisvögel saßen dort, sondern es war bereits ein gutes Dutzend Fotografen dort am Fotografieren. Wie bei den Wasseramseln, stellte ich auch bei den Eisvögeln keinerlei Scheu fest. Das mag daran liegen, dass sie Fotografen gewohnt sind und diese sich auch in guter Entfernung hielten.

Von der warmen Pader spazierten wir dann in Richtung Altstadt für ein spätes Frühstück. Wir besuchten den Dom und gingen dann nach einem weiteren Umweg über die Auen mit noch mehr Eisvögeln und Wasseramseln langsam zurück zum Hotel. Nach einem ausgiebigen Mittagsschläfchen hatte sich die Sonne leider verzogen und viel mehr als Abendessen machten wir dann nicht mehr. Während wir saßen hatte dann Eisregen eingesetzt und es war stellenweise sehr glatt. Trotzdem ging ich spät abends noch eine Runde für Fotos durch die Stadt.

Am nächsten Morgen besuchten wir noch einmal die Paderquellen und genossen die Nebelstimmung, die von den warmen Quellen erzeugt wird. Fotografisch war es dann nicht ganz so spannend, aber es muss ja nicht immer nur Foto sein.

Besonders schön fand ich die Rückfahrt mit einer grandiosen Nebelstimmung in den Tälern, glasklare Luft in den Höhen und vor Eis glitzernden Bäumen. Fotografiert habe ich das aber nicht. Manchmal muss es eine Erinnerung bleiben.

Ich würde sagen: in Paderborn waren wir auch nicht das letzte Mal.

Nagetiertour nach Österreich


Großglockner

Unsere Tour in Richtung Österreich führte uns zunächst nach München. Gemeinsam mit berni suchten wir abends Wechselkröten und die Unken.
Wir fanden Wechselkröten in unterschiedlichen Größen, aber leider keine Unken.
So ist das eben manchmal.

Am nächsten Tag ging es dann weiter in Richtung Großglockner Hochalpenstraße. Am späten Nachmittag kamen wir am Hotel an. Es hat sich durchaus gelohnt, oben vor Ort im Hotel im Panoramarestaurant Kaiser-Franz-Josefs-Höhe zu übernachten, denn die Murmeltierbeobachtung ist dort mehr als einfach. Man fällt zweimal um und ist bei den Tieren. Vor allem spart man sich natürlich die tägliche anstrengende Fahrt.
Die Tiere werden dort von den Besuchern mit Gemüse und Nüssen gefüttert, weshalb sie sehr zutraulich sind.
Ja, trotz der Lage im Nationalpark. Man kann davon halten, was man will, aber die Tiere sind sehr gut zu fotografieren. Mitunter sind sie sogar etwas aufdringlich, während sie nach Futter in den Taschen der Besucher suchen.
Trotzdem ein tolles Erlebnis und so kann man eben auch mal Fotos mit dem Weitwinkel oder auch dem Handy machen.
Nicht nur Murmeltiere fotografierten wir, sondern auch auch Landschaft und sogar die Sterne. Wunderbar dunkel ist der Nachthimmel in den hohen Tauern.
Am zweiten Tag wurden wir von einer jungen Dame angesprochen, die ganz aufgeregt ein iphone-Ladekabel suchte. Ihr Kabel war kaputt gegangen, und sie brauchten dringend ein Handy, um ihre Zugverbindungen buchen zu können.
Ich sagte zunächst, dass wir keins hätten, weil ich auch nur an unsere USB-C-Kabel dachte. Später fiel mir ein, dass doch irgendwo im Auto noch ein altes Kabel sein könnte und ich ärgerte mich, dass mir das nicht eingefallen war. Glücklicherweise trafen wir die Dame noch einmal und so konnte ich mein altes Ladekabel loswerden. Sie war sehr erfreut und auch sehr erleichtert, dass sie ihr Handy so wieder laden konnte.
Lustig dachte ich. Das gibt doch bestimmt Karmapunkte und freute mich, dass ich helfen konnte.

Wien

Über die Nockberge fuhren wir weiter in Richtung Wien. Wir kamen erst abends in Wien an. Immer wieder überraschend, wie lang die Fahrt quer durch Österreich doch ist. Am ersten Abend holten wir uns nur ein 72h Ticket für die Öffis und gingen früh ins Bett, denn wir wollten früh morgens direkt zu den Hamstern.
Leider sahen wir am ersten Morgen dort keine Hamster. Vermutlich weil wir zu ungeduldig waren und weil wir auch nicht wussten, wo wir genau schauen mussten.
Nach einem ausführlichen Stadtbummel ging es abends wieder zu den Hamstern. Diesmal waren die Hamster sehr viel aktiver, und wir nicht die einzigen Fotografen und so war es dann leicht, die Tiere zu finden und zu fotografieren.
Ein Fotograf hatte einen Zweig mit Brombeeren über einem Loch aufgehängt und natürlich machten wir Fotos von dem Hamster, der sich dort bediente.
Am nächsten Morgen waren wir wieder dort. Diesmal wussten wir, wo wir die Hamster finden konnten, das half uns sehr!
Während wir die ersten Hamster beobachteten und fotografierten, kam auch eine größere Gruppe mit Fotografen, die ebenfalls die Hamster fotografieren wollten. Die Stimmung war entspannt und freundlich und man kam ins Gespräch über Wildlife und wie und wo.
Mittags waren wir dann im Lainzer Tiergarten, ein wunderschöner Wald, der ursprünglich im Mittelalter als Jagdrevier angelegt wurde und jetzt ein Naherholungsgebiet ist. Leider war es für eine ausgiebige Wanderung zu heiß, aber immerhin sahen wir eine Bache mit Frischling. Tagsüber auch nicht alltäglich.
Abends waren wir dann wieder bei den Hamstern und diesmal geschah etwas in unseren Augen absurdes. Ein Mann mähte am Rand der Wiese mit einer Motorsense einen Hamsterbau im hohen Gras frei, um dort besser fotografieren zu können. Ich war sprachlos. Nach getaner Arbeit legte er sich auf den Boden und fotografierte einfach, als wäre es das normalste der Welt.

Auch an diesem Abend war der Fotograf vom Vortag wieder da, dieses Mal hatte er Hagebutten für die Hamster dabei.
Ich weiß nicht, ob ich dieses spezielle in Szene setzen gut oder schlecht finden soll. Die Hamster scheint es nicht extrem zu stören, aber die Fotos wirken etwas künstlich.
Meine Lieblingsfotos von den Hamstern sind jedenfalls die, die ich mit kürzerer Brennweite und mit natürlichem Hintergrund machen konnte.
Am dritten Tag fuhren wir nach dem obligatorischen Hamsterbesuch morgens und der Beschaffung einer neuen Speicherkarte zu einer Zieselkolonie.
Leider sahen wir dort nur ein Tier (vermutlich war es doch schon zu spät im Jahr) und das Ziesel saß auch „nur“ auf dem Rasen, also nicht besonders spannend, aber ich will nicht meckern.
Der Hammer passierte dann aber am Abend. Während wir wieder bei den Hamstern waren und kurz vor dem Aufbruch waren, kam ein Mann auf uns zu und wir erkannten ihn als den Freund der jungen Dame, die am Großglockner nach dem Kabel gesucht hatte. Wie verrückt die Welt manchmal ist. Wir unterhielten uns länger, aber leider fragte ich nicht nach Kontaktdaten.
Falls du, junger Mann, also doch deinen Weg hier zum Blog gefunden hast, schreib uns doch bitte einmal an, wir würden uns freuen.

Wie dem auch sei, wenn das kein irrer Zufall war, dann weiß ich es auch nicht.

Am nächsten Morgen verabschiedeten wir uns von den Hamstern und es ging zurück. Ach Wien! Bist und bleibst meine Lieblingsstadt! Ich komme wieder. Bestimmt!

Die Rückreise verlief ereignislos. Ursprünglich wollten wir in Passau zwischenstoppen, aber die Hotels dort fingen bei schlanken 120€ an. Nein Danke!

Reptilien im Frühjahr


Letztes Wochenende war ich zusammen mit berni und Daniel hier in der Gegend zum Fotografieren unterwegs. Daniel hatte die Idee, zu einem Äskulapnatterspot zu gehen, den er gefunden hatte und tatsächlich fanden wir mehrere Schlangen. Ein bisschen schwierig zu fotografieren, weil die Schlangen sich gut versteckt hatten, aber wir haben uns alle drei sehr gefreut. Für mich ist es sehr lange her, dass ich das letzte Mal diese Schlangen gefunden habe. Umso besonderer war es für mich. Danke nochmal für das Zeigen, Daniel. Auf dem Weg dorthin fanden wir außerdem Unmengen Mauereidechsen, die zu meiner Freude auch im Schatten saßen.
Am nächsten Morgen fuhren wir in der gleichen Besetzung zu einem bekannten Würfelnatterspot in Rheinland-Pfalz. Tatsächlich war ich schon ein paar Mal dort, hatte aber nie Glück (oder war schlicht zu doof) und habe nie eine Schlange gesehen. Und dieses Mal waren es mindestens 10 Schlangen, die wir dort gesehen haben. Was für ein Wahnsinn! So seltene Tiere so schön zu sehen, war schon toll. Gute Fotos habe ich nicht hinbekommen, dazu waren die Nattern zu schlecht positioniert. Trotzdem habe ich mich irrsinnig gefreut.

Um das ganze abzurunden, habe ich noch ein paar Fotos aus dem April dazu gepackt. Eine Blindschleiche, die ich in Schlangenbad gefunden habe und die wunderschön posiert hat und eine Wiesbadener Zauneidechse.

Was mir irgendwie fehlt, ist ein gutes Foto der Waldeidechse. Die sehe ich zwar jedes Jahr, aber ich bin nicht in der Lage, die zu fotografieren.

Der Frühling ist da!

Endlich kann man wieder ohne groß zu frieren raus gehen und die Natur genießen. Ich habe den ganzen Frühling, so viel es eben ging, draußen verbracht. Natürlich hat mich die OP da sehr zurückgeworfen, aber ich habe irgendwie trotzdem viel unternommen. Nach so einem Ereignis scheint es, als würde man die Welt ein bisschen anders wahrnehmen.


Trotz aller Einschränkungen und gesundheitlicher Probleme bin ich mit den Ergebnissen also ganz zufrieden. Es geht aufwärts“

Saure Gurken Zeit

Es ist Hochsommer, die Natur ächzt unter den letzten heißen Tagen. Diese Zeit ist für mich fotografisch die am wenigsten spannende. Tagsüber ist fotografieren nahezu unmöglich, abends wird man von Stechmücken aufgefressen und morgens… ja, morgens geht zwar immer, aber man muss eben so früh raus.

In diesem Jahr blüht die Herbst-Drehwurz, die hier normalerweise erst Anfang September zur Hochblüte gelangt schon mitten im August. Leider gab es diesmal nur wenig Morgentau bei meinem frühen Ausflug, aber dafür reichlich Exemplare.

Auch die Stoppelfelder mit den Hasen sind jetzt ein schönes Ziel, aber gerade in der Vogelwelt ist momentan alles ruhig. Sommerloch eben.

Kurztrip nach Österreich

Sehr kurzfristig hatte ich die Idee, ein langes Wochenende nach Österreich zu fahren. Ein bisschen auf den Spuren der Tour von 2013 mit Joachim besuchte ich den Trenchtling.

Donnerstags fuhr ich von Wiesbaden aus ins Chiemgau. Dort traf ich mich abends mit berni und wir unternahmen einen Spaziergang am Chiemsee. Kurz vor einem Regenschutt konnten wir in schönem Licht noch Fotos der Sommer-Drehwurz machen.

Der nächste Tag begann für mich mit einem kurzen Spaziergang an der Kampenwand, den ich aber wieder wegen Regens und Wind abbrach. Im strömenden Regen und Gewitter fuhr ich die Strecke vom Chiemgau bis Leoben, wo ich ein sehr günstiges Hotel gebucht hatte. Komplett gerädert von der anstrengenden Fahrt fiel ich ins Bett. Am nächsten Morgen stand ich schon um 4 Uhr auf, um dem Wetter ein Schnippchen zu schlagen. Vor 6 Uhr war ich schon am Wanderparkplatz am Gasthaus zum Hiaslegg. Toll, dass dort jetzt ein richtiger Parkplatz ist. Das Tagesticket kostet 4€ ist also nicht der Rede wert. Ich war bei gutem Wetter in Leoben losgefahren, aber hier oben regnete es stark. Ich beschloss trotzdem loszugehen und wenn das Wetter so bliebe, eben nicht oben in die exponierten Almwiesen aufzusteigen.
Auf halbem Weg allerdings hörte der Regen auf und schließlich kam sogar die Sonne raus. Gegen 8 Uhr war ich bereits auf dem Edelweißboden angekommen. Himmlische Ruhe in einem wahren Blütenmeer. Sogar zwei Gämsen sah ich vor mir am Weg. Leider war von den Kohlröschen zunächst nichts mehr zu sehen. Nach ein bisschen Nachsuche mit dem Teleobjektiv sah ich allerdings abgeblühte Nigritella minor. Tja… jetzt habe ich sie knospend und abgeblüht gesehen. Ich glaube, ich muss nochmal 10 Tage früher hin. Irgendwie dachte ich, ich müsse wenigstens ein paar Edelweiß fotografieren und beim Fotografieren entdeckte ich durch Zufall ohne Ende Chamorchis. Das war die Sahne auf dem Erlebnis.
Ich ging aber, anders als damals mit Joachim den Berg weiter hoch und fand auch rote Kohlröschen, aber ich bin einfach ein bisschen zu doof, die zu bestimmen. Auf dem Rückweg fand ich auch noch schwarze. Ich vermute sowohl N. austriaca als auch rhellicani, aber das ist mir irgendwie nicht mehr so wichtig. Die Prachtexemplare machten mich einfach nur glücklich.
Gegen 9:30 riss mich ein nerviges Surren aus meinen Tagträumen… tatsächlich: jemand flog eine Drohne. Ich kann gar nicht sagen, wie störend das ist, wenn man gerade so die Ruhe und die Berge genießt und dann von einer Drohne angeflogen wird. Leute… fliegt die doch irgendwo, wo es nicht stört. Klar, ich weiß… die Bilder sind so toll für Insta und so. Mir war es aber zu viel und ich brach zum Rückweg auf. Mittlerweile zog sich das Wetter auch wieder zu und tatsächlich kamen mir dann auch die ersten Wanderer entgegen.
Zurück am Parkplatz stärkte ich mich in der Wirtschaft und fuhr dann runter zum grünen See. Zu meinem großen Entsetzen ist der See leider gekippt. Statt türkis erstrahlt er in algengrün. Wie schade! Wundert aber nicht, wenn Kinder große Steine ins Wasser werfen und die Hunde durch den See rennen. Immerhin fand ich an den Wegen viele Goodyera repens. Dieses Jahr auch eine Premiere für mich.

Am nächsten Tag fuhr ich schon zurück nach München, wo ich mich erneut mit berni traf. Er hat in der Nähe seiner Wohnung einen Unkenspot, den wir besuchten. Tatsächlich fanden wir auch reichlich Unken. Nach einer ausgiebigen Fotosession und einem grandiosen Abendessen beschlossen wir, noch einen Wechselkrötenspot zu besuchen. Als wir ankamen, war außer Quappen nichts zu sehen. Etwas frustriert klapperten wir noch weitere Pfützen ab – überall Fehlanzeige. Da es dunkel wurde, drehten wir um und kamen wieder am ersten Spot an und dort war dann die Hölle los. Die Pfützen wimmelten förmlich und die Kröten quakten in einer unverschämten Lautstärke. Sie ließen sich auch nicht von uns stören. Natürlich war das Licht schon reichlich knapp, aber trotzdem konnten wir noch ein paar Fotos machen.

Montags ging es dann nach einen kurzen Umweg zur Pupplinger Au zurück nach Wiesbaden.